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Der virtuelle Museumsrundgang

Hier nehmen wir Sie mit auf einen virtuellen Rundgang durch die rund hundert Bündner Museen und Kulturarchive. Treten Sie ein in Ausstellungen und Depots und erfahren Sie die grossen und kleinen Geheimnisse hinter den Objekten!

Im September vor genau 500 Jahren kam die erste deutsche Bibel auf den Markt. Es handelte sich dabei um das ‚Septembertestament’ von 1522, Martin Luthers Übersetzung des Neuen Testaments aus dem Griechischen in die frühneuhochdeutsche Sprache. 

In den folgenden Jahrzehnten breitete sich die Reformation in Europa rasch aus und drang bis ins Engadin vor. Ab 1576 war das ganze Tal, mit Ausnahme von Tarasp und Samnaun, reformiert. Reformatoren wie Jachiam Biffrun und Durich Chiampell begannen bald darauf, die Bibel und andere religiöse Schriften auch in die rätoromanische Sprache zu übersetzen. 

Im Museum Engiadinais ist die in Scuol gedruckte Bibel „La Sacra Bibla“ oder auch „Bibla da Scuol“ aus dem Jahr 1743 zu sehen. Es ist die erste Bibelübersetzung in Vallader.

Die echten Pizzoccheri kommen aus dem Puschlav, sagt man, und sie bestehen aus Buchweizenmehl. Der Buchweizen allerdings hat nichts mit den Buchenbäumen am Hut und auch nichts mit Weizen oder überhaupt mit Getreide. Die Pflanze ist verwandt mit dem Sauerampfer und der Rhabarber. Eine Erfindung einiger Puschlaver also, die uns irgendein Kraut andrehen wollen? Mitnichten. Da die Samenkapseln der Pflanze wie Getreidekörner bearbeitet und verwertet werden können, ist ein Vergleich mit Getreideprodukten nicht ganz abwegig.

Auch der Vergleich mit der Buche leuchtet ein: Die Samen des Buchweizens scheinen eine Miniaturausgabe der Bucheckern zu sein. Im Italienischen heisst das Produkt Grano Saraceno – ein Hinweis, dass die Pflanze im Mittelalter aus dem Osten nach Europa kam. Ursprünglich stammt der Grano Saraceno aber aus Zentralasien und kam über Osteuropa nach Europa, wo er vor allem auf der Alpensüdseite angebaut wurde.

Buchweizen war ein Nahrungsmittel der armen Leute. Als im 18. Jahrhundert die Kartoffel die Esstische eroberte, wurde er als Grundnahrungsmittel abgelöst. Mehr Informationen zum Anbau und der Verarbeitung des Buchweizens gibt es im Museo Poschiavino und in der Casa Tomé in Poschiavo.

Fremdplatziert, verdingt, entmündigt, in Anstalten versorgt, zwangsadoptiert oder -sterilisiert: Bis in die 1970er-Jahre waren in der Schweiz zehntausende Kinder, Jugendliche und Erwachsene von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen betroffen. In Graubünden waren es mehrere Tausend. Viele kamen aus schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Ihre von bürgerlichen Normen abweichende Lebensweise galt als Grund für massive Eingriffe und repressive Massnahmen.

Die Sonderausstellung «Vom Glück vergessen – Fürsorgerische Zwangsmaßnahmen in Graubünden» im Heimatmuseum Davos stellt fünf Betroffene, geboren zwischen 1881 und 1957, ins Zentrum. Hörspiele und Archivdokumente erzählen die Schicksale. In begehbaren Räumen aus Karton sind Sie als Besucherin und Besucher eingeladen, in ihre Welt einzutauchen.

Die langlebigste Radiosendung weltweit ist – wer hätte das gedacht – die „Voci del Grigioni italiano“, die seit über 70 Jahren existiert. Die Sendung hat sogar einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde.

Damit ist sie noch etwas älter als dieses Radiogerät Norma Luxus mit Zeitautomat der Marke Nordmende, das 1959 auf den Markt kam. Behütet und bewahrt wird es nun vom Rätischen Museum.

In den Bündner Museen gibt es tolle neue (und auch bewährte) Angebote für Familien. Wir verraten dir hier die Top 5 dieses Sommers:

1.    Werde Detektiv:in und ermittle im Museum Vaz/Obervaz in Zorten
2.    Suche die versteckte Burg in Waltensburg bei einem Mittelalterspiel
3.    Bewirb dich als Druckergeselle im Buchdruckmuseum Stamparia in Strada
4.    Mach eine Rätseltour per Actionbound durchs Museum Regiunal Surselva in Ilanz
5.    Gehe im Rätischen Museum in Chur auf der Kinderspur durch die Sonderausstellung über die Söldner

Vor zehn Jahren eröffnete das Bahnmuseum Albula in Bergün/Bravuogn seine Türen mit spannenden Bahngeschichten zur RhB UNESCO Welterbe-Linie von Thusis nach Tirano. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum!

Am 9. Juni vor 75. Jahren verstarb Augusto Giacometti (1877–1947) in Zürich. Das Museum Ciäsa Granda in Stampa widmet dem Bergeller Maler dieses Jahr die Sonderausstellung «Augusto Giacometti – Il Maestro di Colori». Eine zweite Ausstellung mit dem Titel «Alberto Giacometti – Paris sans fin» widmet sich Alberto Giacometti und seinen Jahren in Paris.

Öffnungszeiten: 1. Juni – 20. Oktober 14-17 Uhr, 15. Juli – 31. August 11-17 Uhr, montags geschlossen

Spielt das Klima jetzt total verrückt oder weshalb ist nun ein Eisbär ins Bündner Naturmuseum eingezogen?

Dieser Eisbär wurde tatsächlich während dreissig Jahren zusammen mit andern Tieren aus der Arktis im Bündner Naturmuseum ausgestellt. Erlegt wurde das Tier vom Engadiner Töna Lansel. Ende der 1970er Jahre wurde der Entscheid getroffen, nur noch Objekte aus dem Kanton Graubünden in der Sammlung aufzubewahren. So kam der Eisbär nach Zürich, aber zur Jubiläumsausstellung «Schatzkammer Natur – 150 Jahre Bündner Naturmuseum» ist er wieder zu Gast in Graubünden.

150 Jahre Rätisches Museum

Am 8. Juni 1872 eröffnete das Rätische Museum im Erdgeschoss des Hauses Buol seine erste Ausstellung. Seither werden dort Objekte zur Geschichte Graubündens gesammelt. Zum Jubiläum wurde der 3. Stock des Museums umgebaut, um 150 Museums-Schätze zu zeigen. Für jedes Jahr seit der Eröffnung wurde ein Objekt ausgewählt, das in jenem Jahr den Weg in die Sammlung fand: Kostbares, Altes und Seltenes findet sich hier genauso wie Überraschendes, Banales oder Schräges, alles nebeneinander, ganz im Stil der einstigen Wunderkammern.


Vernissage: 8. Juni 2022 um 17 Uhr im Marsöl-Saal in Chur, anschliessend Museumsrundgang und Apéro im Rätischen Museum

Im Bündner Regierungsprogramm 2021–2024 ist die Sichtbar- und Nutzbarmachung der kulturellen Vielfalt vorgesehen. Dazu gehört die Schaffung eines digitalen Kulturgüterportals für das kulturelle und sprachliche Erbe des Kantons.

In diesem Zusammenhang wird es dem Mili Weber Museum ermöglicht, die neunbändige «Schloss-Chronik» – ein von Mili Weber handgeschriebenes Werk mit unzähligen Aquarellen und Musikkompositionen, das rund 4'500 Seiten umfasst – zu digitalisieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Jahrhundertelang zogen Bündner für fremde Mächte in den Krieg, in der Hoffnung auf ein besseres Leben, auf Reichtum oder Abenteuer. Wohin auf der Welt hat es die Söldner verschlagen, was haben sie dort erlebt und sind sie als gemachte Männer nach Hause zurückgekehrt?

Diesen Schicksalen widmet das Rätische Museum die Sonderausstellung «Beruf: Söldner – Bündner in Fremden Diensten».

Vom Mönch zum IT-Spezialisten: Die neue Sonderausstellung «Gänsekiel, Gutenberg, Gruppenchat» der Stamparia Strada und zeigt, wie epochale Erfindungen die Kommunikation und unser Leben verändern: Im frühen Mittelalter wurde das Wissen weitergegeben, indem in Klöstern Bücher mit dem Gänsekiel kopiert wurden. Ein Mönch brauchte ein bis drei Jahre, um eine Bibel abzuschreiben.

Um 1450 machte Johannes Gutenberg seine grandiosen Erfindungen. Damit konnten in wenigen Monaten Hunderte von Büchern produziert werden. Die Technik von Gutenberg prägte den Druck während mehr als 500 Jahren. Erst ab 1990 begannen Digitalisierung und elektronische Verbreitung, dieses Verfahren abzulösen.

Die heutige Kommunikation wird durch das Internet bestimmt. Es erlaubt die zeitverzugslose, weltweite Weitergabe von Informationen an alle interessierten Stellen. Diesen beeindruckenden Vorteilen stehen Risiken gegenüber: Geschwindigkeit und Anonymität erleichtern die Verbreitung von Falschmeldungen.

Invenziuns transfuorman la comunica­ziun. Il Museum Stamparia Strada renda
perceptibel quai in ün möd captivant. Sco i’l temp medieval pon scriver ils visi­tadurs cun la penna d’ocha. Ils giasts pon cumpuoner e stampar svess. Ün’installaziun «voice­to­print» guarda i’l avegnir ed es averta per buondrius.

Öffnungszeiten: Mai bis Oktober: Samstag von 15–17 Uhr

1741 wurde Angelika Kauffmann (1741–1807) in Chur geboren. Bereits mit elf Jahren zog sie aber mit der Familie nach Como, wo sie im folgenden Jahr ihr erstes Selbstbildnis malte. Die herausragende Begabung von Angelika Kauffmann wurde schnell erkannt, und heute gilt sie als bedeutendste europäische Künstlerin zwischen Klassizismus und Romantik.

Dank einer grosszügigen Schenkung kann das Bündner Kunstmuseum die Sammlung der gebürtigen Churerin erweitern. In einer Sonderausstellung wird zurzeit das Werk Angelika Kauffmanns der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Bild: Drei Bacchantinnen, Öl auf Kupfer, vor 1786

 

Gleich zwei Museen aus dem Kanton Graubünden sind unter den sechzig europäischen Museen zu finden, die für den Museumspreis European Museum of the Year, EMYA 2022, nominiert wurden. Das Domschatzmuseum Chur und das Museo Moesano aus San Vittore konnten ihre Institutionen vom 4.–8. Mai 2022 an der EMYA Konferenz in Tartu, Estland, vor rund 200 Museumsvertreterinnen und -vertretern aus 27 Ländern präsentieren und erhielten ein Diplom für die Nominierung. Herzliche Gratulation!

Wer kann helfen?

Dieses Objekt steht schon seit Jahren im Heimatmuseum Davos, und niemand weiss, wozu es einst diente. Kürzlich bezeichnete ein besuchendes Kind das Objekt als Hamsterkäfig. Diese Behauptung regte die Verantwortlichen des Heimatmuseums dazu an, mehr über dieses Objekt zu erfahren und bittet alle um Hilfe. Am Boden dieses Objekts befindet sich eine Art „Hütte“, an der seltsamerweise eine Deichsel angebracht wurde.

Wer weiss, wozu dieses Objekt gedient hat und woher es stammt. Oder kennen Sie weitere Orte, wo ähnliche Objekte zu finden sind?

Die Objektbeschreibung und weitere Bilder des Objekts können Sie hier herunterladen.

Bitte senden Sie Informationen über den Gegenstand an Marianne Christen.

Mit dieser alten Karte aus dem Archiv cultural Lumnezia in Uors wünschen wir allen schöne Ostern und viel Erfolg bei der Suche der Ostereier und Osterhasen.

Viel zu finden und zu entdecken gibt es auch in den Bündner Museen und Kulturarchiven. Ein Besuch lohnt sich. Jetzt noch schnell vor dem Saison-Ende die Gelegenheit nutzen!

Eigentlich begann Albert Anker (1831–1910) mit einem Theologiestudium. 1854 brach er das Studium jedoch ab und ging nach Paris, um sich der Malerei zu widmen. Dort wurde er Schüler des Schweizer Malers Marc-Charles-Gabriel Gleyre, bei dem auch Pierre-Auguste Renoir lernte. Albert Anker zählt heute zu einem der bedeutendsten Schweizer Maler und Zeichner des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Mit einfühlsamem Blick zeigt er das Leben und den Alltag und erweist sich damit als Beobachter der gesellschaftlichen Entwicklungen.

Das Museo Casa Console in Poschiavo zeigt in der Sonderausstellung „Anker, Segantini, Giacometti – Facetten der Sammlung Christoph Blocher“ gleich mehrere Meisterwerke in Öl, Aquarell, Pastell, Kohle, Tusche, Bleistift und Kreide aus der Sammlung Dr. Christoph Blocher.

Bild: Albert Anker, Schlafendes Mädchen auf einer Holzbank, um 1900, © SIK-ISEA, Zürich

Alexander Spengler war 1849 als Flüchtling in die Schweiz gekommen. Nach dem Medizinstudium in Zürich praktizierte er als Arzt in Davos. Dort bemerkte er schon bald, dass die trockene Höhenluft seinen Tuberkulosepatienten gut tat, und damit setzte er den Grundstein für die Bekanntheit von Davos. So begann für den Ort ein fast märchenhafter Aufstieg vom gewöhnlichen Bergdorf zum Kurort, wo sich ganz Europa einfand, bis zur heute beliebten Feriendestination.

Wie sich Davos zum Kur- und Sportmekka entwickelt hat, zeigen die vier Davoser Museen – Kirchner Museum Davos, Heimatmuseum Davos, Medizinmuseum und Wintersport Museum – in der gemeinsamen Ausstellung «Europa auf Kur. Ernst Ludwig Kirchner, Thomas Mann und der Mythos Davos».

Bild: Mathias Kunfermann, Demateo AG Fotografie | Modell des Sanatoriums nach Thomas Manns Zauberberg im Heimatmuseum Davos

Vom abgelegenen Bergbauerndorf zum international renommierten Lungenkurort wandelte sich Davos im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Nirgendwo sonst verdichteten sich Hoffnungen und Ängste in vergleichbarer Form.

Diesen Wandel von Davos zur heutigen Wintersport-Destination zeigen vier Davoser Museen – Kirchner Museum Davos, Heimatmuseum Davos, Medizinmuseum Davos und Wintersport-Museum Davos – in der neuen Sonderausstellung „Europa auf Kur - Ernst Ludwig Kirchner, Thomas Mann und der Mythos Davos“.

Für den Besuch der Gemeinschaftsausstellung im Kirchner Museum Davos, im Heimatmuseum Davos, im Medizinmuseum Davos und im Wintersport-Museum Davos haben die Davoser Museen ein Kombiticket entwickelt. Besuchen Sie die Ausstellungen mit nur einem Eintrittsticket, das Sie hier buchen können: Davoser Museumspass.

Mit diesen Schlittschuhen drehte die Londoner Alpinistin, Fotografin und Schriftstellerin Elizabeth Main (1861‒1934) ihre Kurven auf dem Schwarzeis des Silsersees. Sie fuhr auch gerne Ski und ging zum Schlitteln.

Seit sie die Bergwelt entdeckt hatte, unternahm sie regelmässig Bergtouren, darunter auch zahlreiche Erstbesteigungen. 1898 überquerte Elizabeth Main gemeinsam mit Evelyn McDonnell in einer der ersten Frauenseilschaften den Piz Palü. Ihre Touren dokumentierte sie mit der Feder und der Kamera. Sie schrieb achtzehn Bücher, darunter das erste Buch zum Wintersport in den Alpen.

Die Schlittschuhe stammen aus dem Kulturarchiv Oberengadin. Die Bestände des Kulturarchivs Oberengadin – Fotografien, Glasnegative, Ansichtskarten, Briefe, Zeichnungen, Pläne etc. – können in der Chesa Planta in Samedan während des ganzen Jahres konsultiert oder auch online gefunden werden.

Bild: Rätisches Museum

Wissenschaftler erforschten im 19. Jahrhundert die Welt mit neuen Methoden und versuchten sie systematisch zu erfassen.

Für Graubünden und für die Schweiz spielte der Bündner Ingenieur und Naturforscher Johann Wilhelm Fortunat Coaz (1822–1918) eine bedeutende Rolle. Er erlebte die Entwicklungen seiner Zeit in der Wissenschaft, Technik und Politik aus nächster Nähe.

Als Alpinist und Gebirgstopograf bestieg er die höchsten Berge Graubündens und war als Sekretär von General Dufour bei der Entstehung des Schweizer Bundesstaates an vorderster Front dabei. Und als ob das noch nicht schon genug wäre, zählte er zudem zu den Förderern des Schweizerischen Nationalparks.

Steine, Steine, Steine – Kilometer weit. Die Sonne brennt auf die grauen Schuttkegel, mehr Staub als Felsbrocken, die sich am Fuss der Steilhänge sammeln. Ein Weg ist oft das einzige Anzeichen von Menschen. Wer in dieses Tal hinein fährt, fährt in eine Sackgasse. –

Dennoch, der Weg lohnt sich, denn hier gibt es einiges zu entdecken: Spuren von Dinosauriern und Bären zum Beispiel oder Zeugnisse von ehemaligen beschwerlichen Bergbauarbeiten: Im früheren Verwaltungsgebäude der letzten Bergbaugesellschaft von S-charl macht das Museum Schmelzra die Geschichte des Bergbaus erlebbar.

Riet Campell, der Gründer des Museum Engiadinais in St. Moritz, war ein begeisterter Jäger. Es erstaunt daher nicht, dass ihn Jagdtrophäen faszinierten.

Diese Trophäe gibt ihr Geheimnis aber erst beim genaueren Blick preis, denn echt an diesem Hirschkopf sind nur das 15-endige Geweih, das aus Susch im Unterengadin stammt, dem Heimatort von Riet Campell, und die Zähne des Tieres. Das Geweih mit einer Kronenbreite von 114 cm ist auf einen aus Pappmaché modellierten, naturgetreu bemalten Hirschkopf montiert. Die Hirschtrophäe ist 1906 in die Museumssammlung aufgenommen worden.

Einen prominenten Auftritt erhalten zwei Bündner Institutionen in der aktuellen Schweizer Museumszeitschrift des Verbandes der Museen der Schweiz, VMS und ICOM Schweiz.

Peter Langenegger vom Museum d’Engiadina bassa in Scuol und Anne Louise Joël von der Casa d’Angel in Lumbrein berichten im romanischen Artikel von Farina Hofmann über die Herausforderungen für ein Museum in heutiger Zeit.

Grazia fitg VMS/ICOM e Fadrina Hofmann.

Es war der Engländer Jonas Hanway, der Ende des 18. Jahrhunderts den Regenschirm in die britische Gesellschaft einführte. Damals war der Regenschirm allerdings noch alles andere als ein praktischer Begleiter: Da sein Gestell aus Holzstäben und Fischbein gebaut war, wog er um 1800 rund vier Kilogramm.

Hanway’s Regenschirm war eine Kopie des Sonnenschirms, der schon in der Antike bekannt und vor allem im 18. und 19. Jahrhundert ein beliebtes Accessoire für Frauen war. Nach dem Ersten Weltkrieg geriet der Sonnenschirm wieder aus der Mode – nun war nicht mehr blasse Haut, sondern ein gebräunter Teint angesagt.

Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts wurde der Regenschirm auch zum unentbehrlichen Begleiter für den eleganten Herrn. Der eigentliche Durchbruch fand um 1920 statt: Dann erfand Hans Haupt in Berlin den teleskopierbaren Regenschirm und liess ihn 1934 als Knirps patentieren. Dieser Schirm wurde so bekannt, dass der Begriff in unseren Wortschatz aufgenommen wurde.

Dieser Herrenschirm aus schwarzer Seide befand sich im Besitz der Familie von Planta aus Fürstenau. An seinem Griff befinden sich eine vergoldete Metallgarnitur und die Gravur GvP (Gaudenz von Planta). Heute ist dieser Regenschirm im Besitz des Rätischen Museums.

Vor 550 Jahren, also am 21. Mai 1471 wurde in Nürnberg Albrecht Dürer geboren. Aber wo liegt die Verbindung zu Graubünden?

Im Domschatzmuseum in Chur. Bei den meisten Bildern verwendete der Maler der Churer Todesbilder als Vorlage die kleinen Drucke nach Holzschnitten von Hans Holbein d.J., aber bei einer der Bildtafeln diente der Kupferstich «Ritter, Tod und Teufel» des hervorragenden Renaissance-Künstlers Albrecht Dürer als Vorlage. Findest du das entsprechende Bild im ehemaligen Weinkeller im Domschatzmuseum in Chur?

Was haben Charlie Chaplin, Harald Lloyd, der Schah von Persien, der Scheich von Kuweit oder General Guisan mit Mili Weber zu tun?

Wer aufgrund der idyllischen Lage abseits von St. Moritz annimmt, Mili Weber habe dort einsam an ihrem grossen Werk gearbeitet, irrt. Zahlreiche Berichte von St. Moritzern wie auch der äusserst rege Briefwechsel belegen, dass das Mili Weber Haus ein äusserst beliebtes Ziel für Besucherinnen und Besucher aus aller Welt war. Berühmte Persönlichkeiten wie der amerikanische Komiker Harald Lloyd, die Familie des Schahs samt Gefolge und ein Scheich von Kuweit mit den Kindern waren ihre Gäste. Selbst mit einem indischen Guru war Mili Weber befreundet und von General Guisan erhielt sie Neujahrsglückwünsche …

Ein schönes Zeugnis ist auch dieses signierte und an Mili Weber gewidmete Bild von Charlie Chaplin aus dem Jahr 1932.

«Europa auf Kur – Ernst Ludwig Kirchner, Thomas Mann und der Mythos Davos», so heisst die aktuelle Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. Diese Ausstellung wird im Rahmen des Projekts «Museen & Kulturtourismus», das von Museen Graubünden in Zusammenarbeit mit der ZHAW lanciert wurde, diesen Winter in mehreren Davoser Museen zu sehen sein. Der Bericht der Neuen Zürcher Zeitung gibt schon einmal einen kleinen Einblick.

 

Pillenkästchen oder Reliquiar?

Das älteste Objekt im Domschatzmuseum Chur ist ein spätrömisches Arzneikästchen; ganz aus Elfenbein ist es wohl um 400 n.Chr. entstanden. Das kleine Kästchen mit sechs Fächern diente einst zur Aufbewahrung von Pillen und Salben. Seine Unterseite zeigt die natürliche Rundung des Elefantenzahns. Den Schiebedeckel ziert ein Relief von Aeskulap, dem Gott der Heilkunst. Er hält ein Buch in seiner linken und einen Stab mit Schlange in seiner rechten Hand.

Das spätrömische Arzneikästchen wurde als Reliquiar weiterverwendet und dokumentiert so eindrücklich den Übergang von der antiken Religion zum Christentum um die Wende vom 4. zum 5. Jahrhundert.

Bild: Stephan Kölliker

Eine richtige Detektivarbeit ist die Provenienzforschung. Ihre Aufgabe ist es, die Geschichte von Werken zu erforschen und die Eigentumsverhältnisse und Handwechsel in einer möglichst lückenlosen Abfolge zu dokumentieren.

Angelika Kauffmanns Telemach-Gemälde hat eine wahrliche Odyssee hinter sich, bis es 1970 nach Chur in die Sammlung des Bündner Kunstmuseums gelangte. Das Gemälde war in Besitz von Fürsten und Nationalsozialisten, bis die Irrfahrt in der Bündner Heimat der Künstlerin ein Ende nahm. Diese unglaubliche Geschichte gleicht eher einem Kriminalfall als dem Weg eines Objekts ins Museum.

Die filigranen Ohrgehänge mit den Morins-Motiven – je ein Kopf einer dunkelhäutigen Person mit Krone oder Turban – stammen oft aus Rijeka, Kroatien, einem bekannten Schmuckproduktionszentrum im früheren Einflussbereich von Venedig. Die Motive gehen aber bis auf die Ägypter und Etrusker zurück, und in Rijeka kursieren verschiedene Legenden zur Entstehung der beiden Motive.

Getragen wurde der Schmuck von Zuckerbäckerfrauen aus Engadiner Emigrantenfamilien, die ursprünglich in Venedig wirkten. Im Sommer kehrten die Familien häufig in ihre alte Heimat zurück und mit ihnen auch der schöne Ohrschmuck aus Gold und Email. Noch heute werden die Morins von der Mutter an die Tochter vererbt.

Diese Schmuckstücke und viele weitere Kostbarkeiten sind im Engadiner Museum St. Moritz zu sehen.

Die Lorbeeren ins Trockene bringen …

Vor fast 250 Jahren wurde die «Gewürztrückä» liebevoll erschaffen, der Schiebedeckel eingepasst und mit geschnitzten Rosetten und der Jahreszahl 1765 versehen. Kostbare Gewürze mag die «Trückä» des Heimatmuseums Nutli Hüschi in Klosters aufbewahrt haben, Zutaten für feines Gebäck und wärmende Getränke. Der «Wiiwarm» vermag noch heute manche vor Kälte erstarrte Seele zu erwärmen. Man nehme 7 dl Rotwein, 150 gr Zucker, Zimt, Nelkenpulver und Muskatnuss, vermische und erwärme alle Zutaten – aber nicht kochen, sonst «verrüücht dr Geischt».

«Durchhalten!» So lautet noch eine Weile das tägliche Motto, bevor die Museen wieder öffnen und die Kultur wieder aufblühen kann. Zurzeit können wir wohl nur abwarten – und Ovomaltine trinken, denn: «Mit Ovomaltina kasch’s nit besser. Aber länger.»

Als das Berner Unternehmen Wander AG 1904 die Ovomaltine auf den Markt brachte, galt das Getränk noch als medizinisches Präparat. Der Chemiker und Apotheker Albert Wander hatte es basierend auf einer Idee seines Vaters entwickelt. Dieser wollte ein Aufbaugetränk für Kranke, Rekonvaleszente und Mangelernährte schaffen.

Doch das Getränk erlangte in kürzester Zeit auch bei gesunden Menschen grosse Beliebtheit. Insbesondere Sportler schätzten dessen kraftspendende Wirkung. Mit viel Marketing-Geschick setzte Wander früh auf Event-Sponsoring: Schon seit den 1920er Jahren war Ovomaltine immer wieder an Schweizer Sportanlässen präsent. Ausserdem war es eines der ersten Produkte, welches mit einem Spot am Schweizer Fernsehen beworben wurde. Der Slogan «Häsch dini Ovo hüt scho ghaa?» erlangte in den 1980er Jahren Kultstatus und die Ovomaltine avancierte zu einer Art Nationalgetränk.

Diese Ovomaltine-Blechbüchse, eine Zeugin der Alltagskultur aus dem Zeitraum zwischen 1904–1912, steht gut behütet im Depot des Rätischen Museums.

Am 12. Juli 1944 um 9 Uhr  starteten Bomber B-17 der US-Luftwaffe in Glatton (England). Ihr Einsatzziel: München. Zwischen dem 11. und 13. Juli 1944 wurde die deutsche Stadt mehrmals heftig bombardiert. Über 3000 Flugzeuge mit rund 7500 Tonnen Bomben starteten mit demselben Zielort. Grund für den starken Beschuss aus der Luft war die Rüstungsindustrie Münchens: BMW baute dort den Motor für den gefürchteten Jäger Focke Wulf Fw 190 und ein Strahltriebwerk für die Messerschmitt Me 262.

In München gerieten die Bomber jedoch unter Beschuss. Eine der getroffenen B-17 wollte sich in die Schweiz retten, wo sie aber im Schlappintal bei Klosters abstürzte.

Die Wrackteile wurden grösstenteils verschrottet, aber immer wieder tauchen kleine Teile des Flugzeugs auf, die dann im Festungsmuseum Crestawald landen und nach und nach wieder zum Cockpit des US-Bombers zusammengefügt werden.

Aber eigentlich war sie als Sonderausstellung geplant, die Ausstellung im Festungsmuseum Crestawald zum Absturz von US-Bombern in Graubünden während des Zweiten Weltkriegs. Aufgefundene Teile eines Cockpits wurden im Museum wie bei einem Puzzle zusammengeschweisst. Und so kam es, wie es wohl kommen musste: Das Wrack wuchs und wuchs – und passte schliesslich nicht mehr durch die Bunkertüren hinaus.

Am 27. August 1836 traf Marie Louise, die Erzherzogin von Parma und zweite Frau von Napoleon Bonaparte, in Andeer ein, wo sie im Hotel Fravi übernachtete. Am nächsten Tag fuhr sie in Begleitung des Hotelbesitzers, Leutnant Jakob Fravi, über den Splügenpass nach Italien. Die ehemalige französische Kaiserin schätzte diesen Dienst so sehr, dass sie Jakob Fravi diese goldene Tabakdose schenkte.

Im Original kann die Tabakdose im Heimatmuseum Rheinwald in Splügen betrachtet werden.

© Bild: Mathias Kunfermann

«Die Antiquitätenhändler bewegten sich duzendweise von Haus zu Haus. Es war vorauszusehen, dass in wenigen Jahren, alles was angeboten wurde, ausser Landes wäre. Diese Gefahr liess mein Projekt reifen, ein Haus im Engadiner Stil zu bauen, es mit schönen Interieurs und antiken Möbeln auszustatten und es Museum Engiadinais zu taufen», dies schrieb Riet Campell (1866–1951) in seiner Autobiografie «Alchünas regordanzas our da mia vita».

Das Werk mit seinen vielen interessanten Geschichten, die über das Engadin in der Zeit zwischen 1860 und 1940 erzählen, wurde von seiner Urenkelin Corina Blättler-Monsch ins Deutsche übersetzt. Und diese Übersetzung kann von der Website des Engadiner Museums heruntergeladen werden, um in eine Zeitreise einzutauchen und sich damit die Winterabende zu versüssen.

Viele Bündner wanderten früher aus, um Arbeit und damit ein finanzielles Auskommen zu finden. Aus den Talschaften Mesocco und Calanca zogen zahlreiche Stukkateure und Architekten nach Deutschland und Böhmen. Einige Familien – die Gabrieli, Zuccalli und auch die Viscardi – waren bei der Errichtung bedeutender Kunstdenkmäler in München, Eichstätt, Salzburg, Wien oder Prag beteiligt.

Das Museo Moesano widmet einen Teil der Ausstellung ’seinen’ Stukkateuren und Architekten.

In die heutige Zeit versetzt, wäre der Aroser Skirennfahrer Vitter Zogg wohl ein cooler Freestyler. 1939 bestieg er im Himalayagebiet als Erster den 7071 Meter hohen Dungangiri, und als exzellenter Skifahrer erhielt er eine Rolle in Luis Trenkers Erfolgsfilm «Die weisse Hölle am Piz Palü».

Weniger exzellent allerdings waren seine Sprachkenntnisse – und dazu zählte auch das Hochdeutsche. «So nun geben Sie mit dem Hintern einen Zwick – und schon sind Sie ummen.» So hätte er als Skilehrer seinen Gästen den Kristiania-Schwung beigebracht, erzählt man sich im Dorf.

Im Heimatmuseum Eggahuus in Arosa wird Vitter Zoggs Ski, mit dem er 1934 die Weltmeisterschaft in St. Moritz gewonnen hatte, gut behütet und in Filmdokumente ist Vitter Zogg mit seinen Erlebnissen und Geschichten in guter Erinnerung geblieben.

Die Schlitteda naht und langsam ist es an der Zeit, die schönen Schlitten wieder an die frische Luft zu holen. Früher nutzten die Junggesellen den Anlass, um die Angebetete zu einer romantischen Fahrt durch die verschneite Landschaft einzuladen. Auf festgelegten Routen zogen die Pferde die Schlitten mit den verliebten Paaren durch Dorf, Ebenen und Wälder und sorgten bei den Zuschauerinnen und Zuschauern für manchen Gesprächsstoff darüber, wer mit wem ausfuhr.

Noch heute finden im Januar und Februar im Engadin Schlittedas statt. Und wer weiss, vielleicht findet noch heute manch junger Mann bei der winterlichen Tagesreise seinen Schatz fürs Leben?

Ein Film zur Schlitteda ist auf Play SRF zu sehen.

Kinderhelm anno dazumal


Wenn Kleinkinder laufen lernen, kann es zur einen oder anderen Beule am Köpfchen kommen. In früheren Zeiten hatten die Eltern für dieses Problem eine einfache Lösung: Dem Kind wurde eine Fallhaube aufgesetzt. Der dick mit Werg gepolsterte Stoffreifen schützte vor Verletzungen. Die auch Beulenschutzkappe genannte Kopfbedeckung war von ca. 1650 bis 1800 in Gebrauch. Als Repräsentationsobjekt war sie oft reich geschmückt und aus teuren Stoffen gefertigt. Die Bündner Fallhaube des Engadiner Museums aus dem 18. Jahrhundert ist aus Seide und mit eingewebten Silberfäden und Seidenbändern zum Verschnüren versehen. Zu bestaunen ist dieses Objekt im Engadiner Museum in St. Moritz.

Wer hat’s erfunden?

Jubelnd und johlend sausen die Kinder auf ihren roten Plastikbobs die verschneiten Hänge hinunter. Freude pur! Aber wer hat diesen Plastikbob erfunden? Die Valser natürlich! – Oder jedenfalls den Vorgänger des modernen Bobs: das Rittbrätt. Denn als die Strasse nach Ilanz noch nicht bestand (diese wurde erst 1880 eröffnet), handelten die Valser mit dem Rheinwald und dem Süden. Im Herbst und Winter stiegen jeweils vier bis fünf Träger gemeinsam auf den 2504 Meter hohen Valserberg, trugen Schlitten und Rittbrätt über Geröll­halden, stapften durch Schnee und erreichten nach drei Stunden die Passhöhe. Dort liessen sie die Schlitten zurück, setzten sich auf ihr Riitbrätt und fegten den Hang hinunter nach Hinterrhein. Vom Rheinwalder Dorf trugen sie die Last hinauf zum Schlitten, und von dort brachten sie die Ware per Schlitten nach Vals. Das Rittbrätt gäbe es einzig und allein im Valsertal, erfährt man auf einer Führung im Museum Gandahus. «Vielleicht noch im Rheinwald – und allerhöchstens noch im Safiental – mehr aber sicher nicht.»

Aus Not, aber auch aus finanziellen Gründen, wanderten früher viele Bündner aus. In Venedig sollen sich im 18. Jahrhundert rund 300 Bündner aufgehalten haben.

Die Auswanderer unterschieden sich aber je nach Herkunftsort: Aus dem Bündner Oberland und Mittelbünden stellten sich viele Söldner in fremde Dienste. Aus Mesocco und dem Calancatal zogen zahlreiche Stukkateure und Architekten nach Deutschland und Böhmen, wo sie bedeutende Kunstdenkmäler schufen. Aus dem Engadin, Puschlav, Bergell, Münstertal und dem Albulatal zogen Zuckerbäcker und Cafétiers über weite Teile Europas bis nach Spanien und Sankt Petersburg. Das Erstaunlich dabei: Fast alle Zuckerbäcker kamen aus protestantischen Regionen Graubündens.

Das Museo Poschiavino widmet sich unter anderem der Geschichte der Zuckerbäcker aus dem Tal.

Im Domschatzmuseum wird ein bemerkenswerter bemalter Holzschrein in Form einer Sargtruhe mit Satteldach für den heiligen Luzius und die heilige Emerita gezeigt. Wand und Dach sind durch Arkaden gegliedert und die Oberfläche ist mit Blatt- und Granatapfelmustern bemalt. Die Schmalseiten des Reliquienschreins zeigen die Halbfiguren des heiligen Luzius und seiner Schwester, der heiligen Emerita, deren Gedenktag der 4. Dezember ist. Emerita ist mit dem Palmzweig als Märtyrerin gekennzeichnet. Der Malstil legt nahe, dass der Schrein zu Beginn des 15. Jahrhunderts am Oberrhein entstanden ist.

Der 4. Dezember ist auch der Gedenktag der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute. Wer an diesem Tag einen Kirschbaumzweig schneidet und in eine Vase stellt, kann an Weihnachten die weissen Blüten bewundern.

Bild: Stephan Kölliker

 

Ursprünglich fand die Bescherung in den katholischen Gebieten am Nikolaustag statt. Geschenke an Heiligabend wurden als reformierte Erfindung abgelehnt. Erst im späten 19. Jahrhundert wandelte sich Weihnachten auch bei den Katholiken allmählich zum Fest der Bescherung.

Im Lugnez hat sich die Tradition der Bescherung am Nikolaustag bis heute erhalten. Beim abendlichen Besuch in der Stube lobt und tadelt der Nikolaus die Kinder. In der Nacht, wenn alle schlafen, kehrt der Sontgaclau dalla Notg zurück und legt für jedes Kind ein Geschenk auf das Fensterbrett.

Ellas regiuns catolicas deva ei oriundamein schenghetgs la sera da Sontgaclau. Ils regals la sera da Nadalnotg ein ditg vegni refusai sco invenziun dils reformai. En Lumnezia ei la tradiziun da schenghegiar enzatgei la sera da Sontgaclau aunc oz usitada. Il Sontgaclau cun ses fumegls viseta la sera ils affons e sa ludar els ni sevilar sin els. La notg cu tuts dorman tuorna il Sontgaclau dalla notg e metta per mintga affon in schenghetg sil sem finiastra.

Bild: Adventsfenster im Museum Regiunal Surselva, Nikolaus mit einem Gewand aus Trun Zignau.

Keine gewöhnliche Filmkamera ist diese Super 8 Schmalfilmkamera Bauer C2, denn sie gehörte dem kriminaltechnischen Dienst der Kantonspolizei Graubünden. Mit ihr wurden in den 1970er Jahren Einsätze der Kapo beim WEF in Davos gefilmt und Rettungsübungen dokumentiert. Spektakulär ist eine Evakuationsübung von Feuerwehr und Polizei aus dem Hochhaus Belmont 1 im Lacuna Quartier in Chur mit Helikopter. Die bereits historischen Filme zeigen unerbittlich den Wandel der Zeit.

Die Filmkamera wird heute im Depot des Rätischen Museums aufbewahrt, aber weitere Geschichten zur Entwicklung vom Landjäger zur heute modern ausgerüsteten Kantonspolizei gibt es im Polizeimuseum Graubünden in Chur.

Öffnungszeiten: Jeden ersten Dienstag im Monat von 14–17 Uhr

Bild: Mathias Kunfermann, demateo.com

Ganze 234 Mal bestieg Martin Schocher (1850–1916) den Piz Bernina. Und mit 19 Erstbesteigungen und über 1000 Hochtouren zählt Martin Schocher definitiv zu den Pionieren des Alpinismus.

Im Museum Alpin in Pontresina hat die Bergwelt eine facettenreiche Ausstellungsstätte gefunden: Fauna, Flora und Geologie der Bündner Berge werden hier ebenso vorgestellt wie die alpine Kultur oder der Sommer- und Winteralpinismus mit Einblicken in die Pionierzeit des Bergsteigens – von der Eroberung des Bernina-Massivs bis hin zum modernen Alpinismus.

Bild: Skifahrer in Pontresina, im Hintergrund Chesa Schocher

Sep Antoni Deragisch (1842–1930) war wie schon sein Vater Hafner. In Bugnei betrieb er eine Kleinfabrik: In einem einzigen Raum seines Hauses erschuf er Töpferwaren und fertigte dort Tongefässe und Negativformen für Kruzifixe an. Jeweils im Sommer zog er dann durch die Bündner Täler und verkaufte seine Teller, Krüge und Devotionalien.

Zerbrochene Krüge brachte man ihm zur Reparatur. Mit dem «firliforli», dem Drillbohrer, bohrte er feine Löcher in die Scherben und vereinigte mit einer Drahtklammer, was auseinander gebrochen war. Weggeworfen wurde in früherer Zeit wenig, denn im Tujetsch waren die Leute arm, mausarm, und viele Familien mussten jeden Tag ums Überleben kämpfen.

Deragischs Töpferwaren können in verschiedenen Bündner Museen bestaunt werden, z.B. im Museum La Truaisch Sedrun. Öffnungszeiten: Dienstag, Freitag und 1. Sonntag im Monat 15–18 Uhr.

Ein Kastenbild zum Totengedenken aus Sumvitg, 1882, ist das Objekt des Monats November im Rätischen Museum in Chur.

Als die Fotografie noch nicht verbreitet war, gehörten Kastenbilder, die mit künstlichen Blumen, Engeln, Trostsprüchen und Haaren der verstorbenen Person gestaltet waren, als Wandschmuck zur Erinnerungskultur. Hier wurden die kunstvoll gedrehten und geflochtenen Haare zu einer Trauerweide geformt. So blieb ein Teil des geliebten Menschen als eine Art Reliquie erhalten.

Kennst du die Burganlage Hohen Rätien mit dem Taufbecken aus dem 5. Jahrhundert und der Kirche St. Johann und Viktor? Das grosse Plateau oberhalb von Sils i.D. und Thusis ist eine der ältesten Siedlungsstätten der Schweiz: Ganz in der Nähe ist Carschenna mit den Felsbearbeitungen aus der Bronzezeit.

Und übrigens: Die Aussicht von Hohen Rätien ins Domleschg, an den Heinzenberg und in die Viamala-Schlucht hinunter sind atemberaubend.

Nun zieht es die Bündner Jäger wieder in die Berge und auf den Speisekarten erscheinen herzhafte Wildgerichte. Die Jagd hat im Kanton Graubünden eine bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition. Unter den Jägern sind vor allem die Gämsjäger und ihre Geschicklichkeit hoch angesehen. Zu diesem Ruf beigetragen hat auch der im Jahr 1900 erschienene Roman «Der König der Bernina» von Jakob Heer. Seine Hauptfigur war inspiriert vom berühmt berüchtigten Engadiner Gämsjäger Gian Marchet Colani (1772–1837). Legenden zufolge hat er während seiner Jagdjahre 2’700 Gämsen und je zwei Bären und Wölfe erlegt. Das Perkussionsgewehr in der Sammlung des Engadiner Museums trägt auf der Zielvorrichtung den Schriftzug „Colany“. Es ist jedoch unklar, ob die Waffe dem berühmten Jäger gehörte oder ob er sich lediglich als Büchsenmacher darauf verewigte. Entdeckt werden kann die Jagdwaffe im Engadiner Museum in St. Moritz im Suler da S-chanf.

Öffnungszeiten: täglich, ausser dienstags, 10–18 Uhr

Passend zum heutigen Clean up Day stellen wir diesen Kehrichtkübel der Marke Ochsner aus dem Rätischen Museum vor:

Der Wagner Jakob Ochsner entwickelte 1897 in seiner Zürcher Firma das staubfreie Entsorgungssystem «Ochsner», das wegweisend für die Kehrichtabfuhr wurde. Viele Schweizer Städte führten Ende der 1920er Jahre sein System mit normierten Blecheimern und Kehrichtwagen ein. Während Jahrzehnten durften nur die originalen, mit Zeitungspapier ausgekleideten Ochsnerkübel verwendet werden. Mit dem Klappdeckel und Bügel waren sie so konstruiert, dass man sie an den Kehrichtwagen hängen konnte. Durch die Betätigung eines seitlichen Hebels öffnete sich im Wagen ein Schiebedeckel, worauf der Kübel gekippt und sein Inhalt in die Öffnung geleert wurde.


Ende der 1970er Jahre verschwand der Ochsnerkübel vom Strassenrand, er wurde vom Abfallsack aus Plastik abgelöst. 2011 erreichte er jedoch durch eine Re-Edition aus Edelstahl in der Verwendung als Blumentopf, Komposteimer, Schirmständer oder Hocker Kultstatus. Der Name ist auch dank der erfolgreichen Berner Mundart-Band «Patent Ochsner» bis heute bekannt geblieben.

Wir wünschen euch ein schönes Wochenende und bitte haltet die Umwelt sauber!

„Sestenta mai dad esser moderns - schiglioc eis ti gia damaun antiquaus“ (Trachte nie danach modern zu sein - sonst bist du morgen schon veraltet.) Gesagt - gemacht. Denn diesem Grundsatz getreu entwickelte Alois Carigiet seinen eigenen unverkennbaren Stil.

Im Museum Cuort Ligia Grischa in Trun sind mehrere Werke Carigiets ausgestellt, darunter auch Bilder aus den Kinderbüchern „Schellenursli“,  "Flurina" oder "Der grosse Schnee".
 

Als einen “Mann von Welt“ könnte man Peter Ludwig von Donats-Sils (1782–1849) bezeichnen. Jedenfalls war er sowohl in englischen als auch in spanischen und portugiesischen Diensten. Und unter Napoleonischen Diensten kam er nach Holland und bis nach Russland.

Zudem war er der vierte Kantonsoberst von 1835–1842 sowie Kommandant der Dritten Division unter General Dufour im Sonderbundskrieg.

1848 trat Peter Ludwig von Donats-Sils in den Ruhestand. Er verstarb jedoch bevor ein Jahr vergangen war an einer Krankheit.

Im Militärmuseum St. Luzisteig gibt es viele weitere Geschichten zur Entwicklung unserer Schweizer Armee.

Öffnungszeiten: samstags 13–17 Uhr

Metallisch glänzte die Zinkblende im Gestein und liess auf einen hohen Schmelzertrag hoffen. Doch zurück blieb den Davoser Bergleuten – nichts. Erst im 18. Jahrhundert entdeckte man den Grund des Misserfolgs: Mit einem Siedepunkt von 907° C verdampfte das Zink.

Der Pächter des Bergwerks, Johannes Hitz, entwickelte einen Zinkofen, in dem das gasförmige Zink abgekühlt und aufgefangen werden konnte. Trotzdem ging er 1829 Konkurs und wanderte nach Amerika aus. Dort konnte er seine Erfindung des Zinkofens zu Geld machen und bezahlte seine Schulden in Graubünden zurück. Das war Ehrensache!

Im Schaubergwerk Silberberg Davos können die Anlage und die Stollen jeweils am Mittwoch auf einer geführten Tour besichtigt werden. Anmeldung bei Davos Klosters Tourismus.

Jahrhundertelang wurde mit Sense gemäht und das trockene Gras mit Holzrechen zusammen genommen. Mit der Zugkraft von Kühen oder Pferden wurde das Heu in den Stall gebracht. Erste Maschinen, die die Arbeit erleichterten, wurden erst nach dem Krieg angeschafft. 

Die Società storica Val Poschiavo und das Museo Poschiavino veranschaulichen mit den Filmaufnahmen von Plinio Tognina aus der Zeit von 1965–1970 die Heuernte.

Bald werden die Schultaschen wieder für ein paar Wochen an den Nagel gehängt. Wusstest du, dass früher die Schule nur ein halbes Jahr lang dauerte? Das ganze Sommerhalbjahr war schulfrei. – In die Ferien fuhr man allerdings nicht. Zu Hause gab es genug Arbeit, denn auf dem Hof brauchten die Bauern­familien jede Hand, um das Heu ins Trockene zu bringen.

Weitere Geschichten zum Alltag unserer Grosseltern findest du in den über 100 Museen und Kulturarchiven im Museenland Graubünden. Wir wünschen dir schöne Sommerferien und spannende Entdeckungen in den Bündner Museen!

«Händewaschen, Händewaschen, Händewaschen!», so das von Bundesrat Alain Berset beschworene Gebot der Stunde. Heute stehen uns in Europa glücklicherweise in jedem Haus verschiedenste Möglichkeiten offen. Erst um 1900 herum wurden jedoch in vielen Engadiner Dörfern Wasserleitungen verlegt und das Wasser in die Häuser geführt. Davor musste es in täglicher Schwerarbeit kesselweise mit einem Tragjoch vom Dorfbrunnen in die Küche getragen werden. Wohlhabendere Haushalte besassen in der Stube ins Buffet integrierte Handwaschbecken, sogenannte Giessfässer mit darunter stehendem Handbecken. Das hier abgebildete Zinngiessfass stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Live zu sehen ist das vorindustrielle „Lavabo“ in der Steiva d’ustareia da Savognin im Engadiner Museum in St. Moritz.

Im 19. Jahrhundert wanderten viele Bündner aus, um ein Einkommen in der Fremde zu finden. So auch in Obervaz: Zeitweise waren 8 bis 10% der rund 880 Einwohner im Ausland unterwegs. Unter ihnen war auch Jakob Fidel Margreth (1812–1901). Er begann eine Arbeit als Ladendiener in Triest. Später eröffnete er eine Pasticceria an der Via Barriera Vecchia und betrieb zugleich einen ausgedehnten Holzhandel.

Nach einigen Jahren kehrte er als reicher Mann nach Obervaz zurück. Sein Zuckersieb nahm er mit nach Hause und heute besitzt es das Ortsmuseum Vaz/Obervaz in Zorten.

© Bild: Mathias Kunfermann

Eine pfiffige Erfindung …
ist der Kaffeekocher aus dem Museum Caferama in Zuoz. Die spanische «Caffeta» wurde um 1900 hergestellt. Ein Sammler hatte ihn in Wien Herrn Badilatti, dem Besitzer des Museums, übergeben.

Die Zubereitung des Kaffees ist einfach: Kaffeepulver und Wasser hineingeben und kochen. Sobald der Kaffee fertig ist, pfeift der Krug seine Besitzer an den Kaffeetisch.

 

Un’idea fischiettante …

é l’invenzione della caffettiera. L’oggetto si trova al Caferama di Zuoz. Questo modello spagnolo di «cafeta» risale al 1900. È stato offerto da un collezionista Viennese al signor Badilatti, proprietario del museo. La preparazione del caffè è semplice: l’acqua e la polvere di caffè vengono mischiate e fatte bollire insieme. Quando il caffè è pronto, la caffettiera chiama il padrone con un fischio.

Der Kopf dieses smarten adligen Jünglings mit seinen „Prussien-Locken“ verziert seit etwa 1430 eine Wand im Stoffelhaus. Was der Jüngling macht, erfahren Sie bei einem Besuch des Stoffelhauses mit einer Führung zu den hochgotischen Wandmalereien, eventuell kombiniert mit einer Stadtführung durch Fürstenau. Sie werden staunen …

 

Gesucht!

Sollten Sie irgendwo eine solche „Prussien-Frisur“ aus der Gotik kennen, wäre das Talmuseum Domleschg um Mitteilung dankbar. Einige Prussiens sind Ihnen sicher!

R. Küntzel, Talmuseum Domleschg, Stiftung Johann Martin von Planta, Stoffelhaus, Fürstenau, Tel. 079 239 95 54, Mail: rudolf.kuentzel(at)bluewin.ch

Ein Universalgenie war Johann Luzi Krättli (1812–1903), der nebst seiner ersten erlernten Tätigkeit als Lehrer, vom damaligen Apotheker Melchior Bovelin wichtige Kenntnisse in Botanik erwarb. Später galt Krättli in Graubünden als einer der wichtigsten Botaniker. Doch das ist noch lange nicht alles: Zudem war er Landschreiber, erfahrener Alpinist, Hochgebirgsjäger, Meteorologe – er war für die Wetterstation in Bever zuständig – und er verwaltete das Post- und Telegraphenbüro in Bever.

Um etwa 1850 erstellte er eine Herbarien-Sammlung. Das Exemplar „Lathyrus odoratus – Duftende Platterbse“ auf dem Foto plus weitere 800 Herbarien befinden sich heute im Kulturarchiv Oberengadin in Samedan. Dank der Kenntnisse Krättlis ist die Sammlung auch über 160 Jahre später gut erhalten geblieben. Dass einige seiner Exemplare an die Wiener Weltausstellung 1873 verschickt wurden, beweist eine Holzkiste mit Aufschrift "Wiener Weltausstellung".

Mystisch und rätselhaft zugleich sind die Steinbearbeitungen aus vorgeschichtlicher Zeit auf einem von Gletschern geformten Felsen im Arsiert, südlich von Bärenburg. Anselmo Gadola erforscht seit vielen Jahren dieses prähistorische Koordinatengitter. Eine nachweisliche, vom jährlichen Sonnenlauf abhängige Gesetzmässigkeit lässt eine kalendarische Ordnung vermuten. In seinem Buch und in der Ausstellung Schalensteine in Bärenburg bei Andeer zeigt er die Schalensteinsituation im Schams, Avers und Rheinwald auf und verdeutlicht Zusammenhänge der kultastronomischen Gesetzmässigkeiten. Mit diesem Wissen erscheint die Landschaft in ganz neuem Licht.

Bild: Mathias Kunfermann, demateo.com

Kein Dornröschenschlaf …

Seit Mitte März waren die Museen und Kulturarchive geschlossen. Aber hinter den Museumsmauern wurde nicht geschlafen. Heute begleiten wir Martina Nicca, Restauratorin und Konservatorin im Rätischen Museum in Chur bei ihrer Arbeit.

Film: HTW Chur

Wer kennt sie nicht, die Geschichte der Brüder Grimm über den Rattenfänger von Hameln? Mit seinem Flötenspiel rettete er die Stadt vor einer Rattenplage. Als er aber für seine Dienste nicht bezahlt wurde, spielte er eine süsse Weise und entführte alle Kinder der Stadt. Die beiden Knochenflöten aus dem 9. Jahrhundert aus Müstair stammen wohl nicht vom Rattenfänger, sondern eher von Pilgern oder Dienstleuten des Klosters. Sie wurden im Wohn- und Wirtschaftsbereich des Klosters in den karolingischen Schichten gefunden. Beide Flöten, die im Klostermuseum Müstair ausgestellt werden, stammen aus dem linken Schienbein eines Schafes oder einer Ziege und sind nach 1200 Jahren noch spielbar.

Nehmen wir uns die Zeit und setzen uns auf die wackeligen Holzschemel an den gedeckten Tisch in der «chadafia» im Ortsmuseum Bergün. Lassen wir den Blick über die einfache Einrichtung der Museumsküche gleiten: Hölzerne Gefässe, Kupferpfannen, Kessel, Kochlöffel. Wir hören sie, die Stimmen der Vergangenheit, das leichte Plodern der Sonntagssuppe im Kessel. Der Rauch sammelt sich unter der gewölbten Raumdecke – und entflieht in den Gang, den Sulér. Aus der Schwarzfärbung der Wände und der Decke durch Ruß und Teer lesen wir die Geschichten der Vergangenheit. Diese Geschichten werden im Ortsmuseum Bergün im Herzen der historischen Mauern eines 400 Jahre alten Engadinerhauses wieder und wieder erzählt.

© Foto: Martina Bisaz, Text: Corina Puorger

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit hatten viele Männer im Val S-charl gearbeitet. Täglich stiegen sie 344 Höhenmeter den Mot Madlain hinauf zu «Las Mineras». Auf 2148 Meter über Meer lag der Eingang zum Stollen, wo die Bergwerkarbeiter Erz abbauten. Von Hand schlugen sie das blei- und silberhaltige Gestein heraus. Über dreihundert Jahre lang bohrten und hämmerten sich die Mineure durch die unter­irdischen Gänge, Spuren ihrer Hammerschläge hinterlassend. Und lang­sam erschufen sie ein Labyrinth. Hätte Dürrenmatt das 15 bis 20 Kilometer lange System gekannt, wäre er wohl mit seinem Winterkrieg aus Tibet direkt ins Val S-charl gezogen.

Die Silberminen wurden 1317 erstmals erwähnt. Wer heute den Spuren der früheren Mineure nachgehen will, findet sie im Museum Schmelzra in S-charl, das die 300 Jahre Bergbaugeschichte des Tals dokumentiert.

Als der König von Bhutan anrief (1. Teil)

Arnold Giger war ein Tüftler. 1860 kam er von Quarten in die Surselva und  kaufte sich 1877 ein Haus in Schnaus. Das alte Gebäude brach er bis auf die Stockmauern ab und richtete sich im neuen Bau eine Woll­karderei und eine Werkstatt ein. Da ihm die Gemeinde Schnaus den Betrieb eines Wasserrades nicht bewilligte, stellte er das Rad kurzer­hand auf der gegenüberliegenden Bachseite auf dem Gemeindegebiet von Rueun auf. So wurde die Wasserkraft über ein 156 Meter langes Transmissionsseil in die Werkstatt übertragen. Damit konnte Giger einen ganzen Maschinenpark mit Bohrmaschine, Drehbank und Schleif­stein in Bewegung setzen und stellte in seiner Werkstatt den bekannten Schnauser Wendepflug her – «Suva-konform», betont Ueli Giger, Besitzer der Historischen Werkstätte und Urenkel des Tüftlers, «wenigstens bis vor hundert Jahren.»

Als der König von Bhutan anrief (2. Teil)

1975 interessierte sich plötzlich der König von Bhutan für Schnaus in der Surselva. Im kleinen Dorf hatte er etwas Interessantes entdeckt: einen Pflug. Der Schnauser Pflug von Arnold Giger schnitt und wendete die Erde in ein und demselben Durchgang. Am Ende der Ackerfurche konnte die Pflugschar gewendet werden, und schon war der Pflug für die Arbeit in entgegen gesetzter Richtung bereit. Mit Gigers Gerät gab es keine Leerfahrten mehr. Ein weiterer Vorteil: Der Pflug aus Eisen und Holz war langlebig und davon schwärmen viele ältere Bauern noch heute. So wurde der Giger-Pflug weit herum bekannt. Zudem war das Gerät leicht und wendig, das heisst: geeignet für eine gebirgige Topografie, also genau richtig für das kleine Königreich Bhutan im südlichen Himalaya.

Eigentlich hat ja nicht der König selber angerufen. Trotzdem fanden einige Pflugexemplare durch einen Schweizer Vermittler den Weg ins Königreich. Zu jener Zeit produzierte in Schnaus jedoch schon lange niemand mehr die Ackergeräte. Für den Export mussten Pflüge, die in Scheunen lagerten und nicht mehr gebraucht wurden, zurück gekauft werden.

Eine Kanonenkugel im Bündner Naturmuseum?

Wäre die dunkle Kugel zu kriegerischem Zweck gebraucht worden, wäre sie wohl in einem historischen Museum zu finden. Aber die Kugel wird vom Bündner Naturmuseum behütet. Und das ist keine Verwechslung! Der Kugel wurden im ausgehenden Mittelalter magische Kräfte zugesprochen. Kein Wunder also, dass sie damals von den Apothekern für teures Geld gehandelt wurde. Die Kugel konnte Ohnmacht, Schwindel und Gelbsucht heilen und schützte vor Melancholie. Entstanden ist sie im Magen eines Rinds und besteht aus Haaren, die das Tier verschluckt hat. Die Haare wurden nicht verdaut und formten sich über längere Zeit im Magen des Tiers zur Bezoarkugel.

Bild: Mathias Kunfermann, demateo.com

Es mutet ein wenig an wie aus 1001 Nacht …

«Was wurde wohl in dieser schmucken Schatulle aus dem 19. Jahrhundert verwahrt?», fragt Ruedi Küntzel, Stiftungsratspräsident der Stiftung Johann Martin von Planta. Schmuck oder Briefe, Liebesbriefe? Die Preziose stammt von der Familie von Planta in Fürstenau aus einem der Schlösser. Wir wissen nicht, war es ein Geschenk oder ein Gadget, wie man heute sagen würde, jedenfalls nicht einfach ab Stange, sonst wären in den Medaillons nicht die umliegenden Schlösser auf Porzellan gemalt dargestellt. Vielleicht auf Bestellung für einen besonderen Anlass? Rundum mit Messingverzierungen bestückt und innen mit tiefrotem Samt ausgekleidet. Aussen ist der Stoffbezug abgewetzt, das sagt uns, die Schatulle wurde intensiv genutzt. Schade behaltet sie ihre Geschichte für sich. Wir hätten so gern gewusst welche Schätze sie hütete.

In der Zeit der aufkommenden Hausuhren im 17. Jahrhundert begann die Familie Ambühl auf der "Litzi" im Sertig bei Davos Holzräderuhren herzustellen. Das handwerkliche Können hatte sie in ihrer Weissküferwerkstatt erworben. Eine Eisenuhr diente als Vorbild für die Davoser Uhr, die aus Lärchen-, Arven- und Bergbirkenholz angefertigt wurde, ergänzt mit Metallteilen. Solche Uhren waren nun auch für die ländliche Bevölkerung erschwinglich. Zwischen 1660 und 1840 entstanden im Sertig etwa 900 Holzräderuhren. Technisch gab es in dieser Zeit keine Weiterentwicklung. Die Uhrmacher Ambühl hielten an der Konstruktion der Radunruh mit ungenauem Gang fest. Der Import der ab 1820 industriell hergestellten, genaueren und billigeren Schwarzwälderuhren setzte der Produktion der Davoser Uhren ein Ende.

Dieses Exemplar des Rätischen Museums ist mit einem geschnitzten Stundenzeiger mit dreizackiger Spitze und Mondsichel am Ende ausgestattet. Darunter liegt der Viertelstundenzeiger mit eigenem Zifferblatt. Geometrische Ornamente und ein einfaches Blumenmuster auf der Seite schmücken das Gehäuse. Typisch ist der dreiteilige Giebel mit aufgemalter Jahreszahl. Die Uhr wurde mehrmals restauriert und mit neuen Zifferblättern überklebt.

24. April 2020

gleich & anders. Zum Tod von Markus Raetz

Seit der Eröffnung des Erweiterungsbaus begrüsst ein zauberhaftes Mobile im Treppenhaus des Bündner Kunstmuseums die Besucherinnen und Besucher. Letzte Woche ist sein Schöpfer, Markus Raetz, gestorben. Markus Raetz hat sich in Zeichnungen und Objekten sein Leben lang mit Fragen der Wahrnehmung beschäftigt. Sein künstlerisches Erbe wird uns immer wieder von neuem erfreuen.

Bei seinem ersten Besuch des Erweiterungsbaus war Markus Raetz begeistert und ihm gefiel die Idee, die strenge Geometrie der Architektur mit einer Variante aus seinen mit grossem Ernst betriebenen Wahrnehmungsspielen zu bereichern. Monatelang hat er in seinem Atelier in Bern experimentiert und Modelle gebaut. Nach einigen Tests vor Ort konnte das Mobile zur Wiedereröffnung im Juni 2016 aufgehängt und subtil eingeleuchtet werden.

Seither bewegen sich die beiden Aluminium-Teile in ruhigem Lauf, angetrieben nur von der Thermik im Treppenhaus. Wer sich Zeit nimmt, kann beobachten, wie die zwei parallel montierten Elemente unsere Augen immer wieder von neuem irritieren – sie sind beide gleich und erscheinen doch immer wieder anders. Nie sind wir gewiss, was wir vor Augen haben: Mal glauben wir, schwere dreidimensionale Körper zu sehen, dann ist plötzlich alles ganz dünn und leicht. Mal leuchtet ein Element hell hervor während das andere im Betongrau des Treppenhauses bis zur Unsichtbarkeit verschwindet. Dass wir unseren Augen nicht trauen dürfen, aber alles immer wieder neu und anders sehen können, ist der kreative Grundgedanke in der Kunst von Markus Raetz. Daraus hat er seine faszinierenden Werke geschaffen, die wir stets mit grossem Vergnügen und mit viel Schaulust stundenlang betrachten wollen. Das Mobile gleich&anders im Bündner Kunstmuseum ist dafür ein besonders schönes Beispiel.

Text: Stephan Kunz, Bündner Kunstmuseum Chur

Vom bernischen Heimberg kam diese flache Schüssel (um 1820–1830) ins Engadin. Häufig verzierten die Frauen die Teller, Platten und Töpfe am bedeutendsten Töpfereistandort des Kantons Bern. Als die abgebildete Schüssel gebrannt wurde, befand sich das dortige Hafnergewerbe in der Blütezeit. Der unbekannte Käufer und die späteren Besitzer, über welche die Schüssel ihren Weg ins Engadin gefunden hat, präsentierten das schöne Stück ihrem Besuch bestimmt nicht ohne Stolz. Zu sehen im Museum Engiadinais in St. Moritz.

Bild: Dr. Andreas Heege

Vor langer Zeit stand hoch oben im Valsertal auf 1530 Meter über Meer ein Haus. Das Gandahaus. Darin lebte der alte Gander mit seiner Frau, der Ganderi. Kaum je kamen die beiden Ganderleute von ihrem Hof weg; zu gut gefiel ihnen die Ganda, zu «groossi» war «d Wäält». Aber nach dem Tod der Ganderi zog der Gander nach Vals hinunter. Als nun die beiden letzten Bewohner das Haus verlassen hatten, begann dieses zu verfallen – zuerst nur langsam und fast unmerklich. Doch nach einigen Jahren sollten die übrig gebliebenen Reste des Gandahauses abgerissen werden.

Das ist nun nicht das Ende, denn erst jetzt beginnt eigentlich die Geschichte: Da aus dem Valsertal nicht nur klares Wasser, sondern auch klare Köpfe kommen, vereinigten sich ein paar Valser und kauften gemeinsam das verlotternde Gebäude, um es der Nachwelt zu erhalten. In vielen Stunden Arbeit trugen sie im «Gmeiwärch» mit den Valser Schülern Balken für Balken ab und zogen die «Trämel» mit Schlitten über die Schneedecke hinunter ins Dorf Vals. Dort stellten sie ihr Gandahaus sorgfältig wieder auf und eröffneten im Herbst 1947 im alten Gebälk ein Heimatmuseum, wo der Alltag aus früherer Zeit dargestellt wird.

Wenn dieser Damenschuh sprechen könnte … er hätte wohl einiges zu erzählen: dass er im 17. Jahrhundert in Mode war, dass er mehrmals neu besohlt wurde. Aber die wunderlichste Geschichte ist wohl seine Entdeckung: Beim Umbau eines Hauses in Zignau kam er zusammen mit zwei weiteren Frauenschuhen ans Tageslicht: in der Nähe des Kamins zwischen dem gemauerten mittelalterlichen Teil des Hauses und dem um 1660 daran angefügten Holzbau. Aber wie kamen die Schuhe dorthin? Sicher nicht aus Versehen. Waren sie Schutz vor bösen Geistern, die sich durch den Kamin ins Haus schlichen? Der geheimnisvolle Schuh aus dem Museum Regiunal Surselva in Ilanz beflügelt die Fantasie.

Ein Fitness-Center? Nein, das brauchten unsere Vorfahren nicht. Die Arbeit auf dem Feld und im Haushalt war streng. Heini Hagmann hat im Kulturhaus Rosengarten in Grüsch das historische Bügeleisen auf die Krups Küchenwaage gestellt. Die Firma Krups stellt in Solingen seit 150 Jahren Haushaltwaagen her. Das Modell im Kulturhaus Rosengarten stammt wohl aus den fünfziger Jahren. Man beachte das schwungvolle Firmenlogo, die schönen altmodischen Zahlen und den rostigen Zeiger, schreibt Heini Hagmann. „Das Bügeleisen ist etwa so alt Krups’ Fabrik. Dieses unscheinbare Ding verführt zwar kaum zu einer Andacht, aber zu einem Gedankenschweif: Die Mägde und Hausfrauen, die damit Wäsche plätteten, haben bei ihrer Arbeit vermutlich einen ansehnlichen Bizeps erworben.“

Bild: Heini Hagmann

1866 wurde dieser Feuerwehrwagen bei Ferdinand Schenk in Worblaufen bei Bern gekauft. Er kostete damals 4000 Franken. Zuvor hatten 51 Einwohninnen und Einwohner freiwillig Beträge zwischen fünf und einhundert Franken einbezahlt, damit die Gemeinde den Wagen erwerben konnte. Er wurde fast 100 Jahre lang gebraucht.

Heute befindet sich der Feuerwehrwagen im Parterre des Rathauses von Vicosoprano, im Pretorio.

Im Auftrag von Helvetia …

Antonio Semadeni (1823–1884) war ein angesehener Cafetier in Warschau. Er wurde in Poschiavo geboren und erwarb dort 1856 die Casa Console, die heute ein Kunstmuseum beherbergt mit Schwerpunkt der Deutschen Romantik. Durch sein Ansehen wurde Semadeni 1875 in sein Amt als erster Konsul der Schweiz in der polnischen Hauptstadt berufen. Wer jetzt denkt, dass der Konsul damit reich wurde, liegt ganz falsch: Die Arbeit wurde nicht entlöhnt, nur Ruhm und Ehre brachte der Job für Helvetia.

In missione per Elvezia …

Antonio Semadeni (1823-1884) era un affermato caffettiere a Varsavia. Nato a Poschiavo, acquistò nel 1856 la casa al centro del Borgo che ospita oggi un museo d’arte. Grazie al suo prestigio personale, Antonio Semadeni fu nominato dalla Confederazione come primo console svizzero in Polonia. Il suo compito era onorario, dunque senza retribuzione, ma almeno legato a onore e gloria della Patria elvetica.

Der Schweizerische Nationalpark wurde am 1. August 1914 gegründet, womit er der älteste Naturpark im Alpenraum ist. Heute umfasst er eine Fläche von rund 170 Quadratkilometern.

Wird im Gebiet des Nationalparks die Natur ganz sich selbst überlassen, so setzt der helle Bau des Nationalparkzentrums einen modernen architektonischen Akzent: Mit weissem Beton, Glas und bronzenen Fensterrahmen setzte der Bündner Architekt Valerio Olgiati klare Linien. In den Innenräumen erhalten die Besucherinnen und Besucher seit der Eröffnung im Jahr 2008 viele Informationen über die Natur, denn die Vermittlung und Sensibilisierung für die Natur gehört mit zu den Aufgaben des Parks.

Mit dem Schweizerischen Nationalpark identifizieren sich wohl alle Schweizerinnen und Schweizer in gleichem Masse, denn hier gibt es keinen Rösti- und auch keinen Capunsgraben.

Erst gegen vierzig Jahre alt und trotzdem schon Geschichte: Diese Audiokassette der Marke Maxwell mit Jahrgang 1982 besitzt das Rätische Museum in Chur.

1963 stellte der Elektronik-Konzern Philips auf der Grossen Deutschen Funk-Ausstellung erstmals die „Compact Cassette“ vor. Zum Abspielen wurde das im Gehäuse enthaltene Magnetband über einen Tonkopf geführt. Die Kassette war ein Meilenstein in der privaten Audiotechnik. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern, den Tonbändern, war sie klein und handlich. Sie  erlaubte einfache Tonaufnahmen mittels Kassettenrecorder, seien es geschäftliche Diktate, Babys erste Worte oder Mitschnitte von Radiosendungen. Jahrzehntelang kreierten musikbegeisterte Laien damit ihre eigenen Mixtapes. Ähnlich wie in heutigen Zeiten des Lieder-Downloads befürchtete die Musikindustrie Umsatzrückgänge und reagierte mit Kampagnen wie „Home Taping is Killing Music“ („Heimaufnahmen töten die Musik“).

Die grösste Tücke der Kassette hiess „Bandsalat“, der sich durch geduldiges Aufrollen mit Hilfe eines Bleistifts beheben liess. In den Neunzigerjahren wurde die Kassette durch digitale Tonträger abgelöst.

Über die Meiereien am Heinzenberg

Während weltliche Güter von Vögten verwaltet wurden, lagen die kirchlichen Güter in der Obhut von Meiern, was letztlich aber auf dasselbe hinaus kam. Das Kulturarchiv Cazis beschreibt die Meiereien im Gebiet Heinzenberg: Die Meier waren vor der Reformation von 1526 Verwalter der klostereigenen Gebiete. Da der Heinzenberg vornehmlich im Eigentum des Klosters Cazis stand, gab es hier in den meisten Dörfern ein Meierhaus.

Nach jahrelangen Streitereien mit dem Grauen Bund und den Gerichten Thusis und Heinzenberg wurden die Besitztümer des Bischoffs von Chur und dem Kloster Cazis aufgeteilt. Nicolaus Stecher, Landvogt zu Maienfeld und Richter im Grauen Bund ergatterte sich im Jahre 1711 für seiner Tochter die klösterliche Liegenschaft Sontg Onna in Dalin. Ebenfalls erwarb er das Meierhaus in Tartar. Die beiden Häuser haben exakt den gleichen baulichen Charakter: Die imposanten Häuser sind mit Walm- oder Krüppelwalmdächer ausgestatten, was nicht ortsüblich ist. Damit kann angenommen werden, dass Stecher einen fremden Baumeister mit den Umbauten beauftragten. In Cazis stehen die beiden Paravicini-Häuser. Sie weisen einen ähnlichen Baustil auf wie die Stecher-Häuser. Die Paravicini waren in Cazis zu Hause und lebten von Reichtümern aus Chiavenna und dem Veltlin. Alle diese Häuser stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Ein Zusammenhang zwischen den Paravicini und Nicolaus Stecher kann nicht belegt werden, ist aber anzunehmen.

Bild: Paravicini Haus, Cazis

Elvezia Michel war als Malerin jahrzehntelang in Vergessenheit geraten, bis 1991 ein Teil ihres Werkes bei der Auflösung ihres Hauses in Borgonovo dem Kulturarchiv Oberengadin übergeben wurde. Elvezia Michel wuchs in Lisieux auf, besuchte Kunstschulen in Mailand, München, Paris und London und war danach in Borgonovo im Bergell zuhause. Die rund 25 Ölbilder, 70 Aquarelle und 700 Skizzen und Zeichnungen hat die Künstlerin grösstenteils in der Zeitspanne zwischen 1902 und 1917 geschaffen. Es ist jedoch anzunehmen, dass weitere Bilder, wahrscheinlich aus der Zeit bis 1930, noch unentdeckt sind. Das Werk der folgenden Jahre hingegen besteht aus Webereien, die fast alle in Privatbesitz zu finden sind.

Das Kulturarchiv Oberengadin kümmerte sich um die Restaurierung der Gemälde, publizierte eine Monografie und organisierte mehrere Ausstellungen. Der Trailer zu einem aktuellen Film über die Künstlerin ist auf der Website des Kulturarchivs Oberengadin zu finden.

Bild: Mädchen im Profil mit blauem Kleid und Haarschleife, 1911; Öl auf Leinwand, 39x31 cm

Als die Welt noch Ecken und Kanten hatte (Teil 1)

Die Welt ist heute rund und sie dreht sich doch. Das war aber nicht immer so, denn Johannes schreibt in der Apokalypse (Offb 7,1): «Danach sah ich vier Engel stehen an den vier Ecken der Erde, die hielten die vier Winde der Erde fest.» Das heisst: Einst war die Welt rechteckig. Und das war ganz praktisch. So passte die Weltkarte in jede Heiligen Schrift und in jede Kirche. Auch auf die Felderdecke der Zilliser Kirche: 153 Tafeln zeigen dort die Lebensgeschichten von Jesus und dem Heiligen Martin. Auf den vier Ecktafeln symbolisieren vier Engel die vier Winde, auf den Randfeldern ist das Meer dargestellt. Und dort – noch  bevor man von der Welt hinunter stürzt – wohnen die schrecklichsten Ungeheuer, die aus dem Weltmeer auftauchen.

Es grenzt schon beinahe an ein Wunder, dass das neunhundert Jahre alte Zilliser Kunstwerk noch heute besteht. Nur vier mittelalterliche Decken mit figürlichen Malereien sind in Europa erhalten geblieben: in St. Michael in Hildesheim, in der englischen Kathedrale von Peterborough und im schwedischen Södra Rada. Zillis ist das älteste Werk. Es überstand auch einen Umbau. 1509 wurde die romanische Kirche modernisiert. Der Chor erhielt gotische Formen, das Kirchenschiff blieb hingegen bestehen. Weshalb? Darüber kann spekuliert werden. Vielleicht ging nach dem Umbau des Chores das Geld aus. Oder hatten die Schamser den Wert der Bilderdecke bereits erkannt? Jedenfalls blieb im Kirchenschiff alles beim Alten und die bemalten Holztafeln kamen noch einmal davon.

Als die Welt noch Ecken und Kanten hatte (Teil 2)

Zurück ins Jahr 1116, als die Fichtenschindeln für die Zilliser Kirchendecke bemalt wurden: Unterschiedliche Malstile lassen auf mehrere Maler schliessen. Eine Untersuchung der verwendeten Farben bringt Erstaunliches zum Vorschein. Nur die Bilder der zweiten Hälfte wurden mit grüner Erde bemalt, auf den anderen Tafeln fehlen diese Farbpigmente. Marc Antoni Nay, der den Bilderzyklus eingehend untersucht hat, vermutet, dass die Maler über den Sommer in Zillis arbeiteten, im Winter zogen sie nach Italien. Von dort brachten sie im folgenden Frühling die grünen Pigmente mit, eine Erde, die in bester Qualität bei Verona und im Südtirol vorkommt. Die wertvollen blauen Farbpigmente des Lapislazuli hingegen fanden den Weg aus Afghanistan über die Seiden­strasse nach Venedig und weiter in die Bündner Alpen nach Zillis. Nur noch Spuren der gelben Farbe sind in den Tafelritzen zu finden, der Rest ist mit den Jahren abgefallen. Rauschgelb wurde die Farbe genannt, denn die Arsen­sulfid­verbindung ist hochgiftig und «fährt ein».

In der Ausstellung zur Kirche Zillis wird der Besucher umfassend zur Bilder­decke informiert und Arbeitsprozesse werden dargestellt: Von der Bearbeitung des Holzes zur Schindel, dann zur Leimtränke und zur Gips­grundie­rung. Farb­pigmente wurden verrieben und mit einem Ei vermischt. Diese Tempera­farbe hielt bis heute Stand, und damit ist sie wohl dauerhafter als jedes Weltbild.

Zwölf Jahrhunderte Kloster-, Bau- und Kunstgeschichte der Klosterkirche Müstair kannst du jetzt ins eigene Wohnzimmer holen. Auf der virtuellen Tour durchs UNESCO Welterbe kannst du dich auch durch Räume bewegen, die bei einem Besuch nicht zugänglich sind: die Empore und der Dachstuhl, wo Ende des 19. Jahrhunderts die karolingischen Fresken entdeckt wurden: Auf der Empore befindet sich eine monumentale Darstellung des Jüngsten Gerichts und auf dem Dachraum wurden im Jahr 1894 die karolingischen Fresken von Josef Zemp und Robert Durrer im Schein einer Laternenlampe entdeckt.

Per Mausklick erhältst du viele Hintergrundinformationen zu den Fresken und dank der virtuellen Tour kannst du gleichsam durch das Heiliggeistloch hinauffliegen. Die 1200-jährige Geschichte der Klosterkirche mit dem weltweit grössten und besterhaltenen Freskenzyklus des Frühmittelalters wird so durch einfaches Klicken virtuell erlebbar.

Zur Zeit ist die Tour in deutscher Sprache aufgeschaltet, die Übersetzungen ins Italienische und Englische sind in Arbeit.

Bereits vor 60'000 Jahren wurden Eierschalen dekoriert, wie Funde von Strausseneiern aus dem südlichen Afrika beweisen. In Mesopotamien wurden im Frühchristentum Eier rot bemalten. Die Farbe erinnerte an das Blut Christi, das er bei der Kreuzigung vergossen hatte.

Aber weshalb wurden dann die Eier unterschiedlich eingefärbt? Dies hatte einen praktischen Grund: In der Fastenzeit durften ab Aschermittwoch bis Ostern kein Fleisch und auch keine Eier gegessen werden. Um die Eier haltbar zu machen, wurden sie hart gekocht. Und um die älteren Eier von den jüngeren zu unterscheiden, färbte man sie unterschiedlich. Am Ostersonntag wurden dann die bunt gefärbten Eier aufgetischt.

Diese Ostereier werden im Safier Heimatmuseum ausgestellt. Die Eier wurden gefärbt und nachher geritzt, so dass die weisse Färbung der Eierschalen wieder zum Vorschein kam.

Bist du auch schon am Eier einfärben? Mit welcher Technik malst du deine Ostereier an? Zeig uns deine kleinen Kunstwerke. Mail an MGR.

Das Rätische Museum in Chur besitzt diese speziellen Objekte. Es sind Giessformen für Schokoladeneier. Die Formen stammen aus der ehemaligen Bäckerei im Haus zur Brotlaube in Chur. Zur Osterzeit wurden dort Schokoladeneier in allen Grössen verkauft, gefüllt mit Süssigkeiten, als Geschenk des Osterhasen.

Früher erzählte man den Kindern mancherorts auch, der Kuckuck, der Hahn, der Fuchs oder der Storch bringe die Ostereier. Der Volksglaube sagt, dass am Karfreitag gelegte Eier Segen für Mensch und Haus bringen, vor Gefahren, Krankheiten und Seuchen schützen und nicht faulen.

Heini Hagmann aus Schiers hat bei einem Besuch im Kulturhaus Rosengarten drei Portraits entdeckt. Er schreibt dazu:

Anna Buol (~1550-1600), Elisabeth Sprecher von Bernegg (1688-1770) und Dorothea Sprecher von Bernegg (1745-1804): Drei Frauen aus fernen Zeiten schauen uns in der Ritterstube des Kulturhauses Rosengarten an. Sie waren wohlhabend, sonst gäbe es keine Ölporträts von ihnen; sie zeigen sich, von links nach rechts zunehmend, selbstbewusst. Zufall oder nicht: Sähen wir den prunkvoll weiblich gekleideten Oberkörper von Dorothea Sprecher nicht, hielten wir sie für einen sanften jungen Mann.

Wer und was die Porträtierten tatsächlich waren, ist unwichtig. Wir lassen uns ansehen, bis wir sie kennen.

Stephan Kunz, Co-Direktor des Bündner Kunstmuseums, stellt eines der bekanntesten Bilder von Giovanni Segantini vor. Es trägt den Titel «Sul Balcone». Das Gemälde ist bekannt und steckt doch voll unergründlicher Geheimnisse. Wir wissen wohl, dass es 1892 in Savognin entstanden ist. Wir kennen auch die Dame: Es ist Baba, die während 19 Jahren die Familie Segantini unterstützte und den Maler auf seinen Wegen begleitete. Wir staunen über die besondere Komposition und die eigenwillige Perspektive. Wir sehen den dunklen Vordergrund mit Balkon und Frau unterschieden vom hell erleuchtenden Dorfkern, aus dem der Kirchturm von St. Martin in göttliche Höhen ragt.

Die Malweise des Divisionismus zeigt, wie Segantini die neuesten Errungenschaften der Malerei seiner Zeit auf das bäuerliche Motiv anwandte. Das alles ist hohe Schule. Das ist grosse Kunst.

Nun aber wollen wir wissen, was das Geheimnis dieses Bildes ausmacht! Als Betrachtende stehen wir (wie der Maler) mit Baba auf dem Balkon – ganz privat. Baba wendet sich still und in sich gekehrt einer roten Nelke zu, die sie vor sich in Händen hält. 

Von wem hat sie diese Blume erhalten? Was bedeutet sie? Die rote Nelke!? Welches Versprechen liegt in ihr? 

In diesem Bild sind wir in einer profanen Alltagswelt und zugleich im Bereich einer heiligen Konversation. Darin liegt das Geheimnis. Das ist der besondere Zauber dieses Gemäldes.
 
Seit 1905 ist das Gemälde Teil der Bündner Kunstsammlung und fasziniert immer wieder von Neuem.

Eine kleine Besonderheit hat die Fundaziun Capauliana in Chur mit dieser Skizze von Meret Oppenheim. Die Skizze zeigt das Ohr von Giacometti, welches später von der Künstlerin auch als Bronze Skulptur erschaffen worden ist. Wie die Skizze in den Besitz der Capauliana gekommen ist, lässt sich nicht nachvollziehen. Duri Capaul, der Sammlungsgründer, war allerdings viele Jahre lang Präsident des Bündner Kunstvereins. Er und seine Frau förderten Nachwuchstalente und so ist es nur naheliegend, dass er auch ganz besondere Schätze in seine Sammlung integrieren konnte.

Kennen Sie den online-Katalog der Fundaziun Capauliana?

Meret Oppenheim. Giacomettis Ohr, 1974

Vernis mou, 24,9 x 17,2 cm

Heute sind wir einem Rätsel auf der Spur: Im Festungsmuseum Sperre Trin lagert eine Kiste mit der Aufschrift «Kriegs-Reserve», darunter die Anweisung «Darf nur im Kriegsfalle angebrochen werden». Schon ist das Interesse geweckt: Was da wohl drin war? Aber diese Frage liess sich gar nicht so schnell beantworten, denn offenbar hielten sich die Soldaten an die strengen Anweisungen.

Notvorrat, technische Anweisungen und Pläne oder Munition? – Die Antwort auf die Spekulationen konnte schliesslich Toni Rizzi, pensionierter Festungswächter und Material- und Archivwart im Vorstand des Festungsmuseum Crestawald geben. Darin war Reinigungsmaterial für den Küchenbetrieb in kleinen Werken wie beispielsweise Infanteriebunkern: Putzpulver – ähnlich wie VIM oder Ajax – in runden Kartonbüchsen mit Blechdeckel, Reinigungsbürsten, Putzlappen und Trockentüchlein. Die Kistchen waren mit einer Plombe gesichert und die Festungswächter kontrollierten regelmässig den Inhalt oder tauschten ihn aus, wenn z.B. wegen Feuchtigkeit in der Anlage angenommen werden musste, dass der Inhalt Schaden nahm.

Neben diesen Putzmittelkistchen war weiteres Material in den militärischen Bunkern eingelagert, das nur im Kriegsfall verwendet werden durfte: Lebensmittel, die regelmässig ausgetauscht wurden und speziell verpackt waren. Und natürlich Munition für die Waffen. Auch diese wurde periodisch kontrolliert und ausgetauscht und in den Wiederholungskursen verwendet.

Wer kennt ihn heute nicht, den Tourismusort Davos mit seinen Skipisten, dem See und den Wanderwegen. Aber auch Kliniken und Flachdach-Architektur verbindet man mit dem Namen, das World Economic Forum, Thomas Manns Zauberberg oder den Spengler Cup, der von Carl Spengler (1860–1937) gestiftet wurde. Carl Spengler war der Sohn von Alexander Spengler, der 1849 als Flüchtling in die Schweiz gekommen war, in Davos als Arzt praktizierte und Begründer der Höhenkur war.

Carl Spengler leitete das Sanatorium Alexanderhaus und forschte an der Tuberkulose und an Krebskrankheiten. Aber er war auch begeisterter Sportler. Das Wintersportmuseum in Davos beherbergt seine Ski. Die Lappländischen Jagdski sind aus Föhrenholz. Sie waren die ersten Ski in Davos. Auffallend ist, dass sie nicht gleich lang sind: Der eine Ski ist 285 cm lang, der andere 258 cm. Dennoch sind beide Ski gleich schwer, da der kürzere Ski mit einem Kupferblech beschlagen ist. Diese Spitze diente zum Schutz vor wilden Tieren.

Niedrig ist der Raum, und einzig ein kleines Fenster lässt Licht ins Innere dringen, das von den dunklen Wänden sofort wieder geschluckt wird. Gebückt steht die Bäuerin in der Küche. Ein offenes Feuer flackert, darüber hängt ein «Chupferchessi». Die Frau rührt mit einer Holzkelle im Topf. Eine Wolke aus Rauch und Dampf steigt auf, zieht an der Nase vorbei und wird von einer Windböe durch die Ritzen des Hauses fort getragen. Würzig schmeckt ein erster Versuch der Gerstensuppe, die über dem Feuer hängt. Für diese Woche ist nun vorgesorgt: Die Suppe wird in den nächsten Tagen immer wieder aufgewärmt – Fast-food unserer Vorfahren. Wie bescheiden die Bewohner des «alt Hus» lebten, erfahren die Gäste im Heimatmuseum Althus in Safien-Camana-Boda.

Und passend zu den kühleren Tagen hier ein Rezept für eine feine Bündner Gerstensuppe:

Bündner Gerstensuppe

1          Zwiebel

            Öl

1          Lauchstängel

100 g   Karotten

1/2       Sellerieknolle

2 Liter  Wasser

2          Bouillon-Würfel

150 g   Rollgerste

100 g   grosse weisse Bohnen

300 g  geräuchertes Schweinefleisch

1          Lorbeerblatt

Salz und Pfeffer

2 dl      Rahm

Zwiebel fein hacken. Lauch in Rädchen schneiden, Karotten und Sellerie in kleine Würfel schneiden und alles zusammen im Öl andünsten. Wasser, Bouillon-Würfel, Rollgerste und Bohnen beigeben und ca. 2 Stunden leicht kochen lassen. Fleisch in kleine Würfel schneiden und zusammen mit Lorbeerblatt beigeben. Nochmals eine halbe Stunde leicht kochen lassen. Mit Salz und Pfeffer nachwürzen. Kurz vor dem Servieren Rahm beifügen (nicht mehr kochen lassen).


Tipp:

100 g   Bünderfleisch

Bündnerfleisch kurz in der Bratpfanne anrösten und Suppe im Teller garnieren. Bun appetit!

Der Keramikteller von Peter Lötscher (1812) stellt in eindrücklicher Art dar, was damals an Kunsthandwerk in St. Antönien erarbeitet wurde. In vier Generationen wurden im kleinen Ort nicht nur Keramikteller und Schmalztöpfe angefertigt: Die Palette war breit und reicht auch über Kachelöfen und Leitungsröhren. Heute sind die Kunstwerke der Lötscherfamilie Museumsstücke, die ein wichtiges Kulturgut darstellen. Im Nationalen Keramikinventar der Schweiz Ceramica und in der Publikation von Dr. Andreas Heege​ wird dieses spannende Vermächtnis aus St. Antönien gezeigt und ausführlich beschrieben.
 

Gefährliche Krankheiten, die ausserordentliche Schutzmassnahmen verlangten, gab es im Verlauf der Geschichte immer wieder. Davos wurde international bekannt für die Heilung von Tuberkulosekranken, was wohl Viele wissen. Was dies aber im konkreten Fall für den Kurbetrieb hiess, verdeutlichen die Sanitätspolizeilichen Vorschriften vom 13. Mai 1900 und vom 15. Januar 1905, die im Medizinmuseum Davos aufbewahrt werden: «Sämtliche von Tuberkulösen bewohnte Räume, sowie die in denselben befindliche Einrichtung etc. (Möbel, Betten, Kleider, Leib- und Bettwäsche) sind jedesmal gründlich zu reinigen und zu desinfizieren, bevor sie an weitere Personen als die bisherigen Inhaber zu weiterer Nutzung überlassen werden dürfen. … Jeder Lungenkranke ist gehalten, einen Taschenspucknapf [der aufgrund seiner Farbe auch «Blauer Heinrich» genannt wurde] bei sich zu tragen.» Denn das Ausspeien war verboten – sowohl im Freien als auch «in den Häusern auf den Fußboden. … Die Nichtbeachtung der Vorschriften … betreffend Maßnahmen gegen die Tuberkulose … zieht eine Buße bis zu 50 Fr. für jeden einzelnen Fall nach sich.»

Wenn Feriengäste aus Deutschland oder dem Unterland ins Engadin reisten, planten sie meistens einen Aufenthalt ein, um sich an die Höhe zu gewöhnen. Denn damals warnten die Ärzte vor dem zu schnellen Anstieg in die Höhen des Engadins. So wurde Klosters als «Übergangsstation» und «Luftkurort» beworben, wie diese Postkarte bezeugt.

In Klosters steht ein Walserhaus aus dem 16. Jahrhundert. Darin befindet sich heute das Museum Nutli Hüschi, ein hübsches kleines Museum. Oft werden die Museumsverantwortlichen auf den Namen angesprochen, der für Auswärtige seltsam kling und Aufmerksamkeit erregt.

Wie aber kam das Museum zu seinem Namen? Das ist kein Geheimnis und lässt sich eigentlich ganz einfach erklären: Das Nutli Hüschi wurde nach seinem Erbauer Christian Nutli benannt.

Mirosław Bałka: NARCISSUSSUSCH (2018)

Bałka’s ortspezifische Installation für das MUZEUM SUSCH befindet sich in einem außergewöhnlichen Raum: einer natürlichen Grotte, die ursprünglich dem Kloster als Kühllager diente. In der Mitte dieser Grotte dreht sich langsam ein Zylinder, der aus mehreren polierten Edelstahlblechen besteht, die die umgebenden Felsformationen widerspiegeln. Die unaufhörliche Arbeit des inneren Mechanismus der Skulptur, der den Zylinder gegen den Uhrzeigersinn antreibt, ist eine vergebliche, eigensinnige Geste angesichts des im Stein festgehaltenen und unaufhaltsam fortschreitenden Zeitverlaufs, der die Grotte erschuf. Die Anwesenheit des Betrachters unterbricht die narzisstische Meditation der Natur von ihrer eigenen Perfektion, ersetzt sie durch ihr Bild und gibt eine neue zeitliche Perspektive vor.

Als einer der herausragenden zeitgenössischen Bildhauer Polens, dessen Werk auch Videos und Zeichnungen umfasst, setzt Bałka minimale Gesten und Mittel ein, um Werke zu schaffen, die häufig auf seinen eigenen Körper oder auf seine unmittelbare Umgebung als Referenz(grösse) Bezug nehmen und universelle Fragen der Erinnerung, des Traumas und der Geschichte untersuchen.

© Studio Stefano Graziani & Art Stations Foundation CH / Muzeum Susch

Am Tag vor dem grossen Skirennen in Davos macht sich Vitter Zogg auf den Weg. Zusammen mit dem Skifabrikanten Adolf Attenhofer geht er von Arosa nach Langwies, gemeinsam steigen die beiden zum Fondei Pass hoch und kurven auf ihren Ski nach Küblis hinunter. Dort besteigen sie die Rhätische Bahn und fahren nach Davos.

Am nächsten Morgen steht Vitter Zogg am Start, bereit für das Parsenn Derby. Er kennt die Strecke nicht, trotzdem lässt er seine Attenhofer laufen. Nach dem Rennen fährt er nach Hause, ohne sich für seine Fahrzeit zu interessieren. «Gegen die Österreicher und all die anderen Fahrer», sagte er, «stehen die Chancen auf einen Preis nicht hoch, da hat es keinen Wert zu bleiben.» Doch am Abend erhält Vitter Zogg die Nachricht, dass er das Parsenn Derby gewonnen hat. Das war 1929.

Über Filmdokumente sind Vitter Zogg und seine Geschichten in Erinnerung geblieben. Seine Ski kann man im Heimatmuseum Eggahuus in Arosa bestaunen.

Achtung Rauchalarm!

Ganz zuunterst im Schrank im Empfangsbüro des Kulturarchivs Oberengadin stand dieser ehemals in einer Samedaner Familie aufbewahrte stolze, in olivgrüner Uniform gekleidete Herr mit grosser Pfeife. Die Holzfigur, die ca. 1920 entstanden ist, fällt beim Anheben in der Mitte auseinander – dies um Räucherkegel, die säuberlich daneben aufgestellt waren, hineinzustellen und anzuzünden.

Zum Wochenende stellen wir Ihnen vielleicht das berühmteste Exponat des Segantini Museums St. Moritz vor: Das Bild mit dem Titel «Ave Maria bei der Überfahrt» aus dem Jahr 1886, Öl auf Leinwand, 121 x 92 cm

Bildthema ist das Ave Maria, das seit dem Mittelalter volkstümlichste Mariengebet und Ausdruck tiefer katholischer Gläubigkeit. Das Angelusläuten rief die Gläubigen am Morgen, Mittag und Abend zum Gebet auf. Das Läuten der Kirchenglocken am fernen Ufer fordert das Paar mit dem Kind in der Barke zum Innehalten und zum andächtigen Gebet auf. Durch das Gebet unter freiem Himmel wird die ganze Umgebung zum Andachtsraum. Die idyllische Szene, die vom leuchtenden Strahlenkranz der aufgehenden Sonne überwölbt ist, beschwört eine zutiefst friedliche Stimmung.

Depositum der Otto Fischbacher Giovanni Segantini Stiftung

Des Kaisers Geburtstag

Zurzeit empfiehlt der Bundesrat, zu Hause zu bleiben. Welch ungewohnte Situation! Doch es gab immer wieder Zeiten mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit. Dies traf auch für eine Gruppe Personen im vornehmen Hotel Viamala am Südausgang von Thusis zu.

Deutsche internierte Offiziere in der Zeit des Ersten Weltkrieges waren dort einquartiert. Bei Kontakten zur Bevölkerung lernten sie die Familie von Planta im unteren Schloss in Fürstenau kennen.

Im Archivbestand der Stiftung Johann Martin von Planta, Talmuseum Domleschg ist etwas Korrespondenz dieser Familie erhalten, darunter findet sich eine Einladung „zu Kaisers Geburtstag“, natürlich des deutschen Kaisers Wilhelm II., auf den 27. Januar 1917. Des Kaisers Geburtstag war eine willkommene Gelegenheit, ein Fest steigen zu lassen, um dem eher eintönigen Interniertenalltag zu entfliehen.

Weitere Informationen zu dieser Geschichte finden Sie unter folgendem Link des Stoffelhauses.

Informationen zum Alltag während des Ersten Weltkriegs in Chur finden Sie beim Stadtarchiv Chur.

 

Einladungsbrief mit Briefumschlag von Hauptmann Schmidt
S.H.
Herrn Gaudens von Planta
Schloss Fürstenau

Thusis, den 24. Januar 1917
Euer Hochwohlgeborenen beehre ich mich namens der Internierten zu der am 27.d.M. im Hotel Viamala 8 Uhr abends stattfindenden Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Deutschen Kaisers freundlichst einzuladen.
Hochachtungsvoll ergebenster
Hauptmann Schmidt

Einst hatten die Valser in Camp eine Kapelle errichtet. Das ärgerte den Teufel sehr. Er schleppte einen Stein heran, «hööi as wia en Chillaturra», um ihn auf die Kapelle zu schleudern. Unterwegs traf er ein altes Mütterlein, das ihn in einen Schwatz verwickelte. Heimlich machte die alte Frau während des Gesprächs ein Kreuz auf den grossen Stein, der nun plötzlich so schwer wurde, dass der Teufel ihn nicht mehr anheben konnte. Zornig zog er sich in die Hölle zurück und die Kapelle steht noch heute dort.

Den Teufel oder den Stein finden Sie nicht im Museum Gandahus in Vals. Aber dort erfahren Sie während einer Führung ganz viele Geschichten zum Haus, zum Tal und zu den früheren Bewohnern.

© Bild: Ennio, 7

Ein Verkaufsschlager war die Brille (Zwicker) im Holzetui aus dem Jahr 1794 bis ins 19. Jahrhundert hinein. Dieses Modell ist eine sogenannte «Nürnberger Drahtbrille». Es war die erste massengefertigte Brille.

Frühe Versuche, mittels einfacher Gläser die Optik zu verändern, sind bereits aus der Antike überliefert. Es waren aber wohl Mönche in mittelalterlichen Klöstern, die erstmals zur gezielten Verbesserung der Sehfähigkeit Bergkristalle zu sogenannten «Lesesteinen» schliffen; der Erhalt der Lesefähigkeit war für sie besonders zentral. Ab dem 14. Jahrhundert erwähnen italienische Quellen die eigentliche, auf der Nase getragene Brille zum ersten Mal. Der Erfinder ist jedoch unbekannt.

Die frühen Brillen besassen noch keine Bügel und sie hatten lediglich konvex geschliffene Gläser. Damit korrigierten sie (Alters-)Weitsichtigkeit. Kurzsichtigkeit konnte erst ab dem 16. Jahrhundert mit Brillengläsern ausgeglichen werden.

Die Brille ist heute im Besitz des Rätischen Museums.

Der letzte Burgherr von Hoch Rialt oder Hohen Rätien auf dem Felsplateau oberhalb von Thusis war nach einer Legende Ritter Cuno. Im Tal wurde er als schrecklicher Tyrann gefürchtet. Als er eines Tages eine hübsche Jungfrau raubte und sie nach Hohen Rätien verschleppte, kochte der Volkszorn über. Die Bauern griffen zu Sensen und Heugabeln und stürmten die Burg, um die Geraubte zu befreien. Ritter Cuno erwartete die erzürnten Bauern hoch zu Pferd, das verängstigte Mädchen vor sich im Sattel haltend. Im Handgemenge gelang es den Bauern, die Entführte zu befreien, doch bevor sie den Ritter überwältigen konnten, gab dieser seinem Pferd die Sporen und setzt mit einem gewaltigen Sprung über die Felsplatte hinaus, wo Ross und Reiter im Abgrund verschwanden.

Das Gemälde von Ernst Stückelberg entstand 1883 im Auftrag von Peter C. von Planta von Fürstenau. Seine Söhne schenkten es nach dem Tode des Vaters 1910 dem Bündner Kunstverein. Lange Zeit war es im Bündner Kunstmuseum (Villa Planta) zu sehen, jetzt lagert es im Depot.
 

Secondo la leggenda, l’ultimo cavaliere di Hohen Rätien si chiamava Cuno ed era un tiranno spietato. Ma quando osò rapire una giovane fanciulla, la popolazione insorse: con falci e forche i contadini salirono alla fortezza per liberare la prigioniera. Cuno li aspettava armato di tutto punto e – legata davanti a lui sul destriero – teneva in ostaggio la fanciulla impaurita. I paesani riuscirono a strappare la ragazza dalla sella, ma non riuscirono a fermare il despota. Il suo cavallo imbizzarrito si mise a galoppare lanciandosi da uno sperone di roccia. Di loro non si trovò più traccia.

Opera di Ernst Stückelberg, 1883