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Willkommen im Museenland Graubünden

Haben Sie gewusst, dass Graubünden ca. 90 Museen und 15 Kulturarchive hat und damit einer der museumsdichtesten Flecken der Welt ist? Der Dachverband Museen Graubünden unterstützt die Museen und Kulturarchive mit fachlicher Beratung in sämtlichen Aufgabenbereichen (Sammeln, Konservieren, Dokumentieren, Vermitteln etc.) und vermittelt Kontakte zu Fachpersonen. Kontaktieren Sie uns bei Fragen.

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Der virtuelle Museumsrundgang

Die Sonderausstellung «Fotografias da la Surselva 1900–1950» ist gleich in drei Institutionen zu sehen:

Die Casa d’Angel in Lumbrein setzt den Schwerpunkt der Ausstellung auf das bäuerliche Leben.

Das Museum Regiunal Surselva in Ilanz beleuchtet den Aspekt des ehemaligen Handwerk.

Und die Fotostiftung Graubünden zeigt in Chur Bilder zum Thema Architektur.

In’exposiziun en treis casas cun fotografias dad etnologs, fotografs professionals e persunas privatas davart la veta quotidiana dils purs e misterners, da lur casas e baghetgs d’economia, da lur lavur ed activitads dil temps liber.

ARRIVANO LE STREGHE! Come in altre regioni della Svizzera, tra il XVII e il XVIII secolo anche la Valposchiavo ha conosciuto tempi bui. Persone innocenti vennero sottoposte a processi di stregoneria, perseguitate e condannate. Con la mostra temporanea «STREGHE! Storie di persecuzione in Valposchiavo», il Museo poschiavino desidera dare un contributo alla documentazione, alla ricostruzione e alla discussione intorno a questo periodo storico.

Orari d’apertura: martedì, mercoledì, venerdì e domenica dalle 14.00 alle 17.30. Novità: tutti i sabati alle ore 17.00 visita guidata di 90 minuti (non è necessaria la prenotazione)

 

Ähnlich wie in anderen Regionen erlebte das Puschlav im 17. und 18. Jahrhundert auch dunkle Zeiten. Unschuldige Menschen wurden in Hexenprozessen angeklagt, verfolgt und verurteilt. Das Museo poschiavino will mit der Sonderausstellung «HEXEN! -Geschichten von Verfolgung im Puschlav» einen Beitrag an die Dokumentation, Aufarbeitung und Diskussion dieser Zeit leisten.

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonntag jeweils von 14 bis 17.30 Uhr. Neu: Jeden Samstag um 17 Uhr 90-minütige Führung ohne Voranmeldung

Das Museum Nutli Hüschi in Klosters zeigt mit der neuen Sonderausstellung «Uf da zwaiti Blick – Vom Sägasablatt zur Chäsriibi» Fotografien von Vrena Mathis-Schwarz, die den Blick des Betrachters fesseln, denn hier muss man meistens – wie der Titel schon besagt – etwas genauer hinsehen.

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag 15–17 Uhr

Vor einigen Tagen kam der heilige Luzius gut und fachgerecht verpackt im Domschatzmuseum in Chur an. Luzius ist der Schutzpatron des Bistums Chur. Nun wartet er in “seiner“ Vitrine auf die Eröffnung des Museums: 29./30. August 2020

Gruppen werden gebeten, sich vor der Besichtigung beim Domschatzmuseum anzumelden.

Im 19. Jahrhundert wanderten viele Bündner aus, um ein Einkommen in der Fremde zu finden. So auch in Obervaz: Zeitweise waren 8 bis 10% der rund 880 Einwohner im Ausland unterwegs. Unter ihnen war auch Jakob Fidel Margreth (1812–1901). Er begann eine Arbeit als Ladendiener in Triest. Später eröffnete er eine Pasticceria an der Via Barriera Vecchia und betrieb zugleich einen ausgedehnten Holzhandel.

Nach einigen Jahren kehrte er als reicher Mann nach Obervaz zurück. Sein Zuckersieb nahm er mit nach Hause und heute besitzt es das Ortsmuseum Vaz/Obervaz in Zorten.

Das Museum Vaz/Obervaz eröffnet seine Sommersaison mit Werken von Karl Aegerter am 28.06.2020 um 16:00 Uhr.

© Bild: Mathias Kunfermann

In den Social Media Kanälen schlägt er hohe Wellen und kaum ein anderes Tier polarisiert zurzeit in Graubünden mehr. Sachlicher geht das Bündner Naturmuseum  an das Thema heran und betrachtet den Wolf gleich in zwei Sonderausstellungen. Hingehen und mehr erfahren!

Öffnungszeiten: Dienstag–Sonntag 10–17 Uhr

Bald werden die Schultaschen wieder für ein paar Wochen an den Nagel gehängt. Wusstest du, dass früher die Schule nur ein halbes Jahr lang dauerte? Das ganze Sommerhalbjahr war schulfrei. – In die Ferien fuhr man allerdings nicht. Zu Hause gab es genug Arbeit, denn auf dem Hof brauchten die Bauern­familien jede Hand, um das Heu ins Trockene zu bringen.

Weitere Geschichten zum Alltag unserer Grosseltern findest du in den über 100 Museen und Kulturarchiven im Museenland Graubünden. Wir wünschen dir schöne Sommerferien und spannende Entdeckungen in den Bündner Museen!

Puurabrot, Zopf, Maisbrötli … Gibt es einen besseren Tagesanfang als ein Frühstück mit einem herrlich duftenden frischen Brot?

Im Heimatmuseum Davos ist am Samstag, 20. Juni 2020 Backtag. Von 9:00–10:30 Uhr können Brot- und Zopfteiglinge gegen eine kleine Gebühr zum Ausbacken im Holzbackofen vorbeigebracht werden. Für Kinder steht kostenlos eine Schüssel Teig zum selber backen zur Verfügung. Während der Wartezeit werden im Museums Café Getränke und Köstlichkeiten aus dem Holzbackofen angeboten. Und wer den Teig nicht selber vorbereiten will, kann ab 11:30 Uhr frische, im Holzbackofen gebackene Mühlebrote, Ruchbrote und Zöpfe kaufen.

Eine pfiffige Erfindung …
ist der Kaffeekocher aus dem Museum Caferama in Zuoz. Die spanische «Caffeta» wurde um 1900 hergestellt. Ein Sammler hatte ihn in Wien Herrn Badilatti, dem Besitzer des Museums, übergeben.

Die Zubereitung des Kaffees ist einfach: Kaffeepulver und Wasser hineingeben und kochen. Sobald der Kaffee fertig ist, pfeift der Krug seine Besitzer an den Kaffeetisch.

 

Un’idea fischiettante …

é l’invenzione della caffettiera. L’oggetto si trova al Caferama di Zuoz. Questo modello spagnolo di «cafeta» risale al 1900. È stato offerto da un collezionista Viennese al signor Badilatti, proprietario del museo. La preparazione del caffè è semplice: l’acqua e la polvere di caffè vengono mischiate e fatte bollire insieme. Quando il caffè è pronto, la caffettiera chiama il padrone con un fischio.

Seit Januar 2018 sind sie eine Gemeinde: Bergün/Bravuogn und Filisur, zwei Dörfer am Ende des Albulatals mit ihren Fraktionen Jenisberg, Latsch, Stuls und Preda.

Wer aber ist „die ganze Gemeinde“ und was bedeutet die Fusion für die Menschen dahinter? Diesen Fragen geht die neue Sonderausstellung «Wir sind Bergün Filisur» im Ortsmuseum Bergün/Bravuogn auf den Grund. Am 13. Juni 2020 macht die erste Teilausstellung «Wir sind Heimat» den Auftakt.

Der Kopf dieses smarten adligen Jünglings mit seinen „Prussien-Locken“ verziert seit etwa 1430 eine Wand im Stoffelhaus. Was der Jüngling macht, erfahren Sie bei einem Besuch des Stoffelhauses mit einer Führung zu den hochgotischen Wandmalereien, eventuell kombiniert mit einer Stadtführung durch Fürstenau. Sie werden staunen …

 

Gesucht!

Sollten Sie irgendwo eine solche „Prussien-Frisur“ aus der Gotik kennen, wäre das Talmuseum Domleschg um Mitteilung dankbar. Einige Prussiens sind Ihnen sicher!

R. Küntzel, Talmuseum Domleschg, Stiftung Johann Martin von Planta, Stoffelhaus, Fürstenau, Tel. 079 239 95 54, Mail: rudolf.kuentzel(at)bluewin.ch

Jahrhundertelang wurde mit Sense gemäht und das trockene Gras mit Holzrechen zusammen genommen. Mit der Zugkraft von Kühen oder Pferden wurde das Heu in den Stall gebracht. Erste Maschinen, die die Arbeit erleichterten, wurden erst nach dem Krieg angeschafft. 

Die Società storica Val Poschiavo und das Museo Poschiavino veranschaulichen mit den Filmaufnahmen von Plinio Tognina aus der Zeit von 1965–1970 die Heuernte.

Heute besitzt das Schweizerische Nationalmuseum die Glasfenster aus der Stiftskirche San Vittore Mauro von Poschiavo. Aber wie kamen die Scheiben von Poschiavo nach Zürich? Die in karolingische und romanische Zeit zurückreichende Kirche erfuhr zwischen 1497 und 1503 eine radikale Umgestaltung in spätgotischem Stil. Am Ende dieser Umbauarbeiten wurden die Glasfenster im Renaissancestil eingesetzt. Hergestellt wurden die fünf Glasbilder höchstwahrscheinlich in Como in einem Schmelzofen der Dombauhütte. 1898 jedoch wurden die Glasbilder entfernt und an das Landesmuseum Zürich verkauft, das in demselben Jahr eingeweiht wurde und damit zu dieser Zeit im Mittelpunkt der helvetischen Aufmerksamkeit stand.


Das Kunstmuseum Casa Console in Poschiavo zeigt in seiner Sonderausstellung «Cinquecento in Poschiavo» die lombardischen Glasgemälde aus der Stiftskirche San Vittore Mauro. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11–16 Uhr.

Licht. Raum. Farbe. Das sind die Themen, mit welchen sich Hanspeter Münch seit mehr als fünfzig Jahren befasst. Zu seinem 80. Geburtstag würdigt das Forum Würth Chur sein Schaffen in einer Sonderausstellung, die bis am 18. Oktober 2020 zu sehen sein wird.

Öffnungszeiten: Montag–Sonntag 11–17 Uhr, am Donnerstag bis 20 Uhr

«Händewaschen, Händewaschen, Händewaschen!», so das von Bundesrat Alain Berset beschworene Gebot der Stunde. Heute stehen uns in Europa glücklicherweise in jedem Haus verschiedenste Möglichkeiten offen. Erst um 1900 herum wurden jedoch in vielen Engadiner Dörfern Wasserleitungen verlegt und das Wasser in die Häuser geführt. Davor musste es in täglicher Schwerarbeit kesselweise mit einem Tragjoch vom Dorfbrunnen in die Küche getragen werden. Wohlhabendere Haushalte besassen in der Stube ins Buffet integrierte Handwaschbecken, sogenannte Giessfässer mit darunter stehendem Handbecken. Das hier abgebildete Zinngiessfass stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Live zu sehen ist das vorindustrielle „Lavabo“ in der Steiva d’ustareia da Savognin im Engadiner Museum in St. Moritz. Öffnungszeiten: 20. Mai bis 20. Oktober 2020 täglich von 10-18 Uhr, Dienstag geschlossen

Alois Carigiet war und ist ein „Star“ der Schweizer Kunstszene. Sein Werk hat, in Form von Gemälden, Plakaten und Büchern, mehrere Genrationen begleitet. Das Museum Sursilvan Cuort Ligia Grischa versucht, dem Menschen Alois Carigiet in der aktuellen Sonderausstellung näher zu kommen.

Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch, Samstag sowie 2. und 4. Sonntag im Monat jeweils von 14–17 Uhr. Über Pfingsten ist das Museum Samstag, Sonntag und Montag jeweils von 14–17 Uhr offen.

Es gibt künstlerische Arbeiten, die allein für ein ganzes Werk stehen können. Wer sie gesehen hat, kann sie nicht mehr vergessen. Das gilt auch für die Video-Installation HandArbeit von Evelina Cajacob, die erstmals 2010 im Rahmen der Ausstellung Arte Hotel Bregaglia gezeigt wurde und die Künstlerin quasi über Nacht einem breiten Publikum bekannt machte. Damals stand der kleine Tisch mit den darauf ausgebreiteten Geschirrtüchern ganz beiläufig im Hotelgang und war in seiner Alltäglichkeit leicht zu übersehen – wäre da nicht die Filmprojektion auf die Tücher, die zwei Hände zeigt, wie sie unentwegt Tuch um Tuch sorgsam zusammenfalten und dabei nie zu einem Ende kommen. Man bleibt fasziniert davor stehen, denn so bewusst sah man diese Arbeit noch nie ausgeführt und hat vielleicht auch noch nie die meditative Qualität der immer gleichen Hausarbeit erkannt. Seit dieser ersten Präsentation hat die HandArbeit ikonische Bedeutung und sie steht auch prominent in der Ausstellung "Evelina Cajacob. tanzen anders" im Bündner Kunstmuseum in Chur.

Die Ausstellung wurde verlängert bis 13. September 2020.

Öffnungszeiten: Dienstag–Sonntag 10–17 Uhr

Wer kennt sie nicht, die Geschichte der Brüder Grimm über den Rattenfänger von Hameln? Mit seinem Flötenspiel rettete er die Stadt vor einer Rattenplage. Als er aber für seine Dienste nicht bezahlt wurde, spielte er eine süsse Weise und entführte alle Kinder der Stadt. Die beiden Knochenflöten aus dem 9. Jahrhundert aus Müstair stammen wohl nicht vom Rattenfänger, sondern eher von Pilgern oder Dienstleuten des Klosters. Sie wurden im Wohn- und Wirtschaftsbereich des Klosters in den karolingischen Schichten gefunden. Beide Flöten stammen aus dem linken Schienbein eines Schafes oder einer Ziege und sind nach 1200 Jahren noch spielbar.

Das Museum Kloster St. Johann ist wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Zurzeit jeweils von Montag–Samstag 13:30h – 16:30h, sonntags geschlossen.

Ein Universalgenie war Johann Luzi Krättli (1812–1903), der nebst seiner ersten erlernten Tätigkeit als Lehrer, vom damaligen Apotheker Melchior Bovelin wichtige Kenntnisse in Botanik erwarb. Später galt Krättli in Graubünden als einer der wichtigsten Botaniker. Doch das ist noch lange nicht alles: Zudem war er Landschreiber, erfahrener Alpinist, Hochgebirgsjäger, Meteorologe – er war für die Wetterstation in Bever zuständig – und er verwaltete das Post- und Telegraphenbüro in Bever.

Um etwa 1850 erstellte er eine Herbarien-Sammlung. Das Exemplar „Lathyrus odoratus – Duftende Platterbse“ auf dem Foto plus weitere 800 Herbarien befinden sich heute im Kulturarchiv Oberengadin in Samedan. Dank der Kenntnisse Krättlis ist die Sammlung auch über 160 Jahre später gut erhalten geblieben. Dass einige seiner Exemplare an die Wiener Weltausstellung 1873 verschickt wurden, beweist eine Holzkiste mit Aufschrift "Wiener Weltausstellung".

Mystisch und rätselhaft zugleich sind die Steinbearbeitungen aus vorgeschichtlicher Zeit auf einem von Gletschern geformten Felsen im Arsiert, südlich von Bärenburg. Anselmo Gadola erforscht seit vielen Jahren dieses prähistorische Koordinatengitter. Eine nachweisliche, vom jährlichen Sonnenlauf abhängige Gesetzmässigkeit lässt eine kalendarische Ordnung vermuten. In seinem Buch und in der Ausstellung Schalensteine in Bärenburg bei Andeer zeigt er die Schalensteinsituation im Schams, Avers und Rheinwald auf und verdeutlicht Zusammenhänge der kultastronomischen Gesetzmässigkeiten. Mit diesem Wissen erscheint die Landschaft in ganz neuem Licht.

Bild: Mathias Kunfermann, demateo.com

11. Mai 2020: Wiedereröffnung der Museen: Herzlich willkommen!

Die Museen und Kulturarchive dürfen ab Montag, 11. Mai 2020 ihre Türen wieder für die Gäste öffnen.

I musei e gli archivi culturali possono riaprire le loro porte lunedì, 11 maggio 2020. Siete benvenuti!

Ils museums ed archivs culturals pon riavrir ils 11 da matg 2020. Cordial bainvegni!

 

Das Mili Weber Haus in St. Moritz öffnet seine Türen nach dem Lockdown am 11. Mai 2020 bereits um 00.01 Uhr und ist damit wohl das erstes Museum der Schweiz, das wieder öffentlich zugänglich ist.

Auch am 11. Mai öffnen das Ortmuseum Obermutten und das Museum Kloster St. Johann in Müstair, das Teil des UNESCO Weltkulturerbes ist. Am 12. Mai sind dann das Bahnmuseum Albula in Filisur sowie die drei kantonalen Museen in Chur, das Bündner Kunstmuseum, das Bündner Naturmuseum und das Rätische Museum, wieder für Sie da, am 15. Mai öffnet das Buchdruckmuseum Stamparia Strada, am 18. Mai die Ausstellung Kirchendecke Zillis und am 19. Mai 2020 öffnet das Kirchnermuseum in Davos. Darauf folgen am 20. Mai das Museum Engiadinais in St. Moritz, am 21. Mai das Nationalparkzentrum in Zernez und am 23. Mai das Museum Cuort Ligia Grischa in Trun.

Einige Museen können aufgrund der Schutzmassnahmen erst zu einem späteren Zeitpunkt öffnen. Bitte informieren Sie sich vor Ihrem Museumsbesuch über die Öffnungszeiten.

Eine Kanonenkugel im Bündner Naturmuseum?

Wäre die dunkle Kugel zu kriegerischem Zweck gebraucht worden, wäre sie wohl in einem historischen Museum zu finden. Aber die Kugel wird vom Bündner Naturmuseum behütet. Und das ist keine Verwechslung! Der Kugel wurden im ausgehenden Mittelalter magische Kräfte zugesprochen. Kein Wunder also, dass sie damals von den Apothekern für teures Geld gehandelt wurde. Die Kugel konnte Ohnmacht, Schwindel und Gelbsucht heilen und schützte vor Melancholie. Entstanden ist sie im Magen eines Rinds und besteht aus Haaren, die das Tier verschluckt hat. Die Haare wurden nicht verdaut und formten sich über längere Zeit im Magen des Tiers zur Bezoarkugel.

Bild: Mathias Kunfermann, demateo.com

Kein Dornröschenschlaf …

Seit Mitte März waren die Museen und Kulturarchive geschlossen. Aber hinter den Museumsmauern wurde nicht geschlafen. Heute begleiten wir Martina Nicca, Restauratorin und Konservatorin im Rätischen Museum in Chur bei ihrer Arbeit.

Film: HTW Chur

Wenn dieser Damenschuh sprechen könnte … er hätte wohl einiges zu erzählen: dass er im 17. Jahrhundert in Mode war, dass er mehrmals neu besohlt wurde. Aber die wunderlichste Geschichte ist wohl seine Entdeckung: Beim Umbau eines Hauses in Zignau kam er zusammen mit zwei weiteren Frauenschuhen ans Tageslicht: in der Nähe des Kamins zwischen dem gemauerten mittelalterlichen Teil des Hauses und dem um 1660 daran angefügten Holzbau. Aber wie kamen die Schuhe dorthin? Sicher nicht aus Versehen. Waren sie Schutz vor bösen Geistern, die sich durch den Kamin ins Haus schlichen? Der geheimnisvolle Schuh aus dem Museum Regiunal Surselva in Ilanz beflügelt die Fantasie.

Spezielle Situationen erfordern spezielle Massnahmen …

Das Mili Weber Haus eröffnet wohl als allererstes Museum der Schweiz seine Türen, nämlich am 11. Mai 2020 eine Minute nach Mitternacht. DER Moment um in die zauberhafte Welt von Mili Weber einzutauchen und ihr Schaffen in neuem Licht zu sehen. Führungen gibt es die ganze Nacht und den ganzen Tag bis 18.00 Uhr nach Voranmeldung auf Telefonnummer 079/539 97 77 – ab 2 Personen bis maximal 4 Personen.

Die Besucher (Erwachsene und Kinder) bringen eine eigene Schutzmaske oder erhalten eine gegen eine Gebühr von CHF 2.00. Auch die Guides tragen eine Schutzmaske.

Start: Montag 11. Mai 2020, 00:01 Uhr. Auf die Plätze, bereit, los!

Im Auftrag von Helvetia …

Antonio Semadeni (1823–1884) war ein angesehener Cafetier in Warschau. Er wurde in Poschiavo geboren und erwarb dort 1856 die Casa Console, die heute ein Kunstmuseum beherbergt mit Schwerpunkt der Deutschen Romantik. Durch sein Ansehen wurde Semadeni 1875 in sein Amt als erster Konsul der Schweiz in der polnischen Hauptstadt berufen. Wer jetzt denkt, dass der Konsul damit reich wurde, liegt ganz falsch: Die Arbeit wurde nicht entlöhnt, nur Ruhm und Ehre brachte der Job für Helvetia.

In missione per Elvezia …

Antonio Semadeni (1823-1884) era un affermato caffettiere a Varsavia. Nato a Poschiavo, acquistò nel 1856 la casa al centro del Borgo che ospita oggi un museo d’arte. Grazie al suo prestigio personale, Antonio Semadeni fu nominato dalla Confederazione come primo console svizzero in Polonia. Il suo compito era onorario, dunque senza retribuzione, ma almeno legato a onore e gloria della Patria elvetica.

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit hatten viele Männer im Val S-charl gearbeitet. Täglich stiegen sie 344 Höhenmeter den Mot Madlain hinauf zu «Las Mineras». Auf 2148 Meter über Meer lag der Eingang zum Stollen, wo die Bergwerkarbeiter Erz abbauten. Von Hand schlugen sie das blei- und silberhaltige Gestein heraus. Über dreihundert Jahre lang bohrten und hämmerten sich die Mineure durch die unter­irdischen Gänge, Spuren ihrer Hammerschläge hinterlassend. Und lang­sam erschufen sie ein Labyrinth. Hätte Dürrenmatt das 15 bis 20 Kilometer lange System gekannt, wäre er wohl mit seinem Winterkrieg aus Tibet direkt ins Val S-charl gezogen.

Die Silberminen wurden 1317 erstmals erwähnt. Wer heute den Spuren der früheren Mineure nachgehen will, findet sie im Museum Schmelzra in S-charl, das die 300 Jahre Bergbaugeschichte des Tals dokumentiert.

Nehmen wir uns die Zeit und setzen uns auf die wackeligen Holzschemel an den gedeckten Tisch in der «chadafia» im Ortsmuseum Bergün. Lassen wir den Blick über die einfache Einrichtung der Museumsküche gleiten: Hölzerne Gefässe, Kupferpfannen, Kessel, Kochlöffel. Wir hören sie, die Stimmen der Vergangenheit, das leichte Plodern der Sonntagssuppe im Kessel. Der Rauch sammelt sich unter der gewölbten Raumdecke – und entflieht in den Gang, den Sulér. Aus der Schwarzfärbung der Wände und der Decke durch Ruß und Teer lesen wir die Geschichten der Vergangenheit. Diese Geschichten werden im Ortsmuseum Bergün im Herzen der historischen Mauern eines 400 Jahre alten Engadinerhauses wieder und wieder erzählt.

© Foto: Martina Bisaz, Text: Corina Puorger

Es mutet ein wenig an wie aus 1001 Nacht…

«Was wurde wohl in dieser schmucken Schatulle aus dem 19. Jahrhundert verwahrt?», fragt Ruedi Küntzel, Stiftungsratspräsident der Stiftung Johann Martin von Planta. Schmuck oder Briefe, Liebesbriefe? Die Preziose stammt von der Familie von Planta in Fürstenau aus einem der Schlösser. Wir wissen nicht, war es ein Geschenk oder ein Gadget, wie man heute sagen würde, jedenfalls nicht einfach ab Stange, sonst wären in den Medaillons nicht die umliegenden Schlösser auf Porzellan gemalt dargestellt. Vielleicht auf Bestellung für einen besonderen Anlass? Rundum mit Messingverzierungen bestückt und innen mit tiefrotem Samt ausgekleidet. Aussen ist der Stoffbezug abgewetzt, das sagt uns, die Schatulle wurde intensiv genutzt. Schade behaltet sie ihre Geschichte für sich. Wir hätten so gern gewusst welche Schätze sie hütete.

In der Zeit der aufkommenden Hausuhren im 17. Jahrhundert begann die Familie Ambühl auf der "Litzi" im Sertig bei Davos Holzräderuhren herzustellen. Das handwerkliche Können hatte sie in ihrer Weissküferwerkstatt erworben. Eine Eisenuhr diente als Vorbild für die Davoser Uhr, die aus Lärchen-, Arven- und Bergbirkenholz angefertigt wurde, ergänzt mit Metallteilen. Solche Uhren waren nun auch für die ländliche Bevölkerung erschwinglich. Zwischen 1660 und 1840 entstanden im Sertig etwa 900 Holzräderuhren. Technisch gab es in dieser Zeit keine Weiterentwicklung. Die Uhrmacher Ambühl hielten an der Konstruktion der Radunruh mit ungenauem Gang fest. Der Import der ab 1820 industriell hergestellten, genaueren und billigeren Schwarzwälderuhren setzte der Produktion der Davoser Uhren ein Ende.

Dieses Exemplar des Rätischen Museums ist mit einem geschnitzten Stundenzeiger mit dreizackiger Spitze und Mondsichel am Ende ausgestattet. Darunter liegt der Viertelstundenzeiger mit eigenem Zifferblatt. Geometrische Ornamente und ein einfaches Blumenmuster auf der Seite schmücken das Gehäuse. Typisch ist der dreiteilige Giebel mit aufgemalter Jahreszahl. Die Uhr wurde mehrmals restauriert und mit neuen Zifferblättern überklebt.

Als der König von Bhutan anrief (2. Teil)

1975 interessierte sich plötzlich der König von Bhutan für Schnaus in der Surselva. Im kleinen Dorf hatte er etwas Interessantes entdeckt: einen Pflug. Der Schnauser Pflug von Arnold Giger schnitt und wendete die Erde in ein und demselben Durchgang. Am Ende der Ackerfurche konnte die Pflugschar gewendet werden, und schon war der Pflug für die Arbeit in entgegen gesetzter Richtung bereit. Mit Gigers Gerät gab es keine Leerfahrten mehr. Ein weiterer Vorteil: Der Pflug aus Eisen und Holz war langlebig und davon schwärmen viele ältere Bauern noch heute. So wurde der Giger-Pflug weit herum bekannt. Zudem war das Gerät leicht und wendig, das heisst: geeignet für eine gebirgige Topografie, also genau richtig für das kleine Königreich Bhutan im südlichen Himalaya.

Eigentlich hat ja nicht der König selber angerufen. Trotzdem fanden einige Pflugexemplare durch einen Schweizer Vermittler den Weg ins Königreich. Zu jener Zeit produzierte in Schnaus jedoch schon lange niemand mehr die Ackergeräte. Für den Export mussten Pflüge, die in Scheunen lagerten und nicht mehr gebraucht wurden, zurück gekauft werden.

Als der König von Bhutan anrief (1. Teil)

Arnold Giger war ein Tüftler. 1860 kam er von Quarten in die Surselva und  kaufte sich 1877 ein Haus in Schnaus. Das alte Gebäude brach er bis auf die Stockmauern ab und richtete sich im neuen Bau eine Woll­karderei und eine Werkstatt ein. Da ihm die Gemeinde Schnaus den Betrieb eines Wasserrades nicht bewilligte, stellte er das Rad kurzer­hand auf der gegenüberliegenden Bachseite auf dem Gemeindegebiet von Rueun auf. So wurde die Wasserkraft über ein 156 Meter langes Transmissionsseil in die Werkstatt übertragen. Damit konnte Giger einen ganzen Maschinenpark mit Bohrmaschine, Drehbank und Schleif­stein in Bewegung setzen und stellte in seiner Werkstatt den bekannten Schnauser Wendepflug her – «Suva-konform», betont Ueli Giger, Besitzer der Historischen Werkstätte und Urenkel des Tüftlers, «wenigstens bis vor hundert Jahren.»

24. April 2020

gleich & anders. Zum Tod von Markus Raetz

Seit der Eröffnung des Erweiterungsbaus begrüsst ein zauberhaftes Mobile im Treppenhaus des Bündner Kunstmuseums die Besucherinnen und Besucher. Letzte Woche ist sein Schöpfer, Markus Raetz, gestorben. Markus Raetz hat sich in Zeichnungen und Objekten sein Leben lang mit Fragen der Wahrnehmung beschäftigt. Sein künstlerisches Erbe wird uns immer wieder von neuem erfreuen.

Bei seinem ersten Besuch des Erweiterungsbaus war Markus Raetz begeistert und ihm gefiel die Idee, die strenge Geometrie der Architektur mit einer Variante aus seinen mit grossem Ernst betriebenen Wahrnehmungsspielen zu bereichern. Monatelang hat er in seinem Atelier in Bern experimentiert und Modelle gebaut. Nach einigen Tests vor Ort konnte das Mobile zur Wiedereröffnung im Juni 2016 aufgehängt und subtil eingeleuchtet werden.

Seither bewegen sich die beiden Aluminium-Teile in ruhigem Lauf, angetrieben nur von der Thermik im Treppenhaus. Wer sich Zeit nimmt, kann beobachten, wie die zwei parallel montierten Elemente unsere Augen immer wieder von neuem irritieren – sie sind beide gleich und erscheinen doch immer wieder anders. Nie sind wir gewiss, was wir vor Augen haben: Mal glauben wir, schwere dreidimensionale Körper zu sehen, dann ist plötzlich alles ganz dünn und leicht. Mal leuchtet ein Element hell hervor während das andere im Betongrau des Treppenhauses bis zur Unsichtbarkeit verschwindet. Dass wir unseren Augen nicht trauen dürfen, aber alles immer wieder neu und anders sehen können, ist der kreative Grundgedanke in der Kunst von Markus Raetz. Daraus hat er seine faszinierenden Werke geschaffen, die wir stets mit grossem Vergnügen und mit viel Schaulust stundenlang betrachten wollen. Das Mobile gleich&anders im Bündner Kunstmuseum ist dafür ein besonders schönes Beispiel.

Text: Stephan Kunz, Bündner Kunstmuseum Chur

Vom bernischen Heimberg kam diese flache Schüssel (um 1820–1830) ins Engadin. Häufig verzierten die Frauen die Teller, Platten und Töpfe am bedeutendsten Töpfereistandort des Kantons Bern. Als die abgebildete Schüssel gebrannt wurde, befand sich das dortige Hafnergewerbe in der Blütezeit. Der unbekannte Käufer und die späteren Besitzer, über welche die Schüssel ihren Weg ins Engadin gefunden hat, präsentierten das schöne Stück ihrem Besuch bestimmt nicht ohne Stolz. Ab diesem Sommer wird sie im Museum Engiadinais in St. Moritz zu sehen sein.

Bild: Dr. Andreas Heege

Vor langer Zeit stand hoch oben im Valsertal auf 1530 Meter über Meer ein Haus. Das Gandahaus. Darin lebte der alte Gander mit seiner Frau, der Ganderi. Kaum je kamen die beiden Ganderleute von ihrem Hof weg; zu gut gefiel ihnen die Ganda, zu «groossi» war «d Wäält». Aber nach dem Tod der Ganderi zog der Gander nach Vals hinunter. Als nun die beiden letzten Bewohner das Haus verlassen hatten, begann dieses zu verfallen – zuerst nur langsam und fast unmerklich. Doch nach einigen Jahren sollten die übrig gebliebenen Reste des Gandahauses abgerissen werden.

Das ist nun nicht das Ende, denn erst jetzt beginnt eigentlich die Geschichte: Da aus dem Valsertal nicht nur klares Wasser, sondern auch klare Köpfe kommen, vereinigten sich ein paar Valser und kauften gemeinsam das verlotternde Gebäude, um es der Nachwelt zu erhalten. In vielen Stunden Arbeit trugen sie im «Gmeiwärch» mit den Valser Schülern Balken für Balken ab und zogen die «Trämel» mit Schlitten über die Schneedecke hinunter ins Dorf Vals. Dort stellten sie ihr Gandahaus sorgfältig wieder auf und eröffneten im Herbst 1947 im alten Gebälk ein Heimatmuseum, wo der Alltag aus früherer Zeit dargestellt wird.

1866 wurde dieser Feuerwehrwagen bei Ferdinand Schenk in Worblaufen bei Bern gekauft. Er kostete damals 4000 Franken. Zuvor hatten 51 Einwohninnen und Einwohner freiwillig Beträge zwischen fünf und einhundert Franken einbezahlt, damit die Gemeinde den Wagen erwerben konnte. Er wurde fast 100 Jahre lang gebraucht.

Heute befindet sich der Feuerwehrwagen im Parterre des Rathauses von Vicosoprano, im Pretorio.

Ein Fitness-Center? Nein, das brauchten unsere Vorfahren nicht. Die Arbeit auf dem Feld und im Haushalt war streng. Heini Hagmann hat im Kulturhaus Rosengarten in Grüsch das historische Bügeleisen auf die Krups Küchenwaage gestellt. Die Firma Krups stellt in Solingen seit 150 Jahren Haushaltwaagen her. Das Modell im Kulturhaus Rosengarten stammt wohl aus den fünfziger Jahren. Man beachte das schwungvolle Firmenlogo, die schönen altmodischen Zahlen und den rostigen Zeiger, schreibt Heini Hagmann. „Das Bügeleisen ist etwa so alt Krups’ Fabrik. Dieses unscheinbare Ding verführt zwar kaum zu einer Andacht, aber zu einem Gedankenschweif: Die Mägde und Hausfrauen, die damit Wäsche plätteten, haben bei ihrer Arbeit vermutlich einen ansehnlichen Bizeps erworben.“

Bild: Heini Hagmann

Über die Meiereien am Heinzenberg

Während weltliche Güter von Vögten verwaltet wurden, lagen die kirchlichen Güter in der Obhut von Meiern, was letztlich aber auf dasselbe hinaus kam. Das Kulturarchiv Cazis beschreibt die Meiereien im Gebiet Heinzenberg: Die Meier waren vor der Reformation von 1526 Verwalter der klostereigenen Gebiete. Da der Heinzenberg vornehmlich im Eigentum des Klosters Cazis stand, gab es hier in den meisten Dörfern ein Meierhaus.

Nach jahrelangen Streitereien mit dem Grauen Bund und den Gerichten Thusis und Heinzenberg wurden die Besitztümer des Bischoffs von Chur und dem Kloster Cazis aufgeteilt. Nicolaus Stecher, Landvogt zu Maienfeld und Richter im Grauen Bund ergatterte sich im Jahre 1711 für seiner Tochter die klösterliche Liegenschaft Sontg Onna in Dalin. Ebenfalls erwarb er das Meierhaus in Tartar. Die beiden Häuser haben exakt den gleichen baulichen Charakter: Die imposanten Häuser sind mit Walm- oder Krüppelwalmdächer ausgestatten, was nicht ortsüblich ist. Damit kann angenommen werden, dass Stecher einen fremden Baumeister mit den Umbauten beauftragten. In Cazis stehen die beiden Paravicini-Häuser. Sie weisen einen ähnlichen Baustil auf wie die Stecher-Häuser. Die Paravicini waren in Cazis zu Hause und lebten von Reichtümern aus Chiavenna und dem Veltlin. Alle diese Häuser stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Ein Zusammenhang zwischen den Paravicini und Nicolaus Stecher kann nicht belegt werden, ist aber anzunehmen.

Bild: Paravicini Haus, Cazis

Elvezia Michel war als Malerin jahrzehntelang in Vergessenheit geraten, bis 1991 ein Teil ihres Werkes bei der Auflösung ihres Hauses in Borgonovo dem Kulturarchiv Oberengadin übergeben wurde. Elvezia Michel wuchs in Lisieux auf, besuchte Kunstschulen in Mailand, München, Paris und London und war danach in Borgonovo im Bergell zuhause. Die rund 25 Ölbilder, 70 Aquarelle und 700 Skizzen und Zeichnungen hat die Künstlerin grösstenteils in der Zeitspanne zwischen 1902 und 1917 geschaffen. Es ist jedoch anzunehmen, dass weitere Bilder, wahrscheinlich aus der Zeit bis 1930, noch unentdeckt sind. Das Werk der folgenden Jahre hingegen besteht aus Webereien, die fast alle in Privatbesitz zu finden sind.

Das Kulturarchiv Oberengadin kümmerte sich um die Restaurierung der Gemälde, publizierte eine Monografie und organisierte mehrere Ausstellungen. Der Trailer zu einem aktuellen Film über die Künstlerin ist auf der Website des Kulturarchivs Oberengadin zu finden.

Bild: Mädchen im Profil mit blauem Kleid und Haarschleife, 1911; Öl auf Leinwand, 39x31 cm

Der Schweizerische Nationalpark wurde am 1. August 1914 gegründet, womit er der älteste Naturpark im Alpenraum ist. Heute umfasst er eine Fläche von rund 170 Quadratkilometern.

Wird im Gebiet des Nationalparks die Natur ganz sich selbst überlassen, so setzt der helle Bau des Nationalparkzentrums einen modernen architektonischen Akzent: Mit weissem Beton, Glas und bronzenen Fensterrahmen setzte der Bündner Architekt Valerio Olgiati klare Linien. In den Innenräumen erhalten die Besucherinnen und Besucher seit der Eröffnung im Jahr 2008 viele Informationen über die Natur, denn die Vermittlung und Sensibilisierung für die Natur gehört mit zu den Aufgaben des Parks.

Mit dem Schweizerischen Nationalpark identifizieren sich wohl alle Schweizerinnen und Schweizer in gleichem Masse, denn hier gibt es keinen Rösti- und auch keinen Capunsgraben.

Erst gegen vierzig Jahre alt und trotzdem schon Geschichte: Diese Audiokassette der Marke Maxwell mit Jahrgang 1982 besitzt das Rätische Museum in Chur.

1963 stellte der Elektronik-Konzern Philips auf der Grossen Deutschen Funk-Ausstellung erstmals die „Compact Cassette“ vor. Zum Abspielen wurde das im Gehäuse enthaltene Magnetband über einen Tonkopf geführt. Die Kassette war ein Meilenstein in der privaten Audiotechnik. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern, den Tonbändern, war sie klein und handlich. Sie  erlaubte einfache Tonaufnahmen mittels Kassettenrecorder, seien es geschäftliche Diktate, Babys erste Worte oder Mitschnitte von Radiosendungen. Jahrzehntelang kreierten musikbegeisterte Laien damit ihre eigenen Mixtapes. Ähnlich wie in heutigen Zeiten des Lieder-Downloads befürchtete die Musikindustrie Umsatzrückgänge und reagierte mit Kampagnen wie „Home Taping is Killing Music“ („Heimaufnahmen töten die Musik“).

Die grösste Tücke der Kassette hiess „Bandsalat“, der sich durch geduldiges Aufrollen mit Hilfe eines Bleistifts beheben liess. In den Neunzigerjahren wurde die Kassette durch digitale Tonträger abgelöst.

Als die Welt noch Ecken und Kanten hatte (Teil 2)

Zurück ins Jahr 1116, als die Fichtenschindeln für die Zilliser Kirchendecke bemalt wurden: Unterschiedliche Malstile lassen auf mehrere Maler schliessen. Eine Untersuchung der verwendeten Farben bringt Erstaunliches zum Vorschein. Nur die Bilder der zweiten Hälfte wurden mit grüner Erde bemalt, auf den anderen Tafeln fehlen diese Farbpigmente. Marc Antoni Nay, der den Bilderzyklus eingehend untersucht hat, vermutet, dass die Maler über den Sommer in Zillis arbeiteten, im Winter zogen sie nach Italien. Von dort brachten sie im folgenden Frühling die grünen Pigmente mit, eine Erde, die in bester Qualität bei Verona und im Südtirol vorkommt. Die wertvollen blauen Farbpigmente des Lapislazuli hingegen fanden den Weg aus Afghanistan über die Seiden­strasse nach Venedig und weiter in die Bündner Alpen nach Zillis. Nur noch Spuren der gelben Farbe sind in den Tafelritzen zu finden, der Rest ist mit den Jahren abgefallen. Rauschgelb wurde die Farbe genannt, denn die Arsen­sulfid­verbindung ist hochgiftig und «fährt ein».

In der Ausstellung zur Kirche Zillis wird der Besucher umfassend zur Bilder­decke informiert und Arbeitsprozesse werden dargestellt: Von der Bearbeitung des Holzes zur Schindel, dann zur Leimtränke und zur Gips­grundie­rung. Farb­pigmente wurden verrieben und mit einem Ei vermischt. Diese Tempera­farbe hielt bis heute Stand, und damit ist sie wohl dauerhafter als jedes Weltbild.

Als die Welt noch Ecken und Kanten hatte (Teil 1)

Die Welt ist heute rund und sie dreht sich doch. Das war aber nicht immer so, denn Johannes schreibt in der Apokalypse (Offb 7,1): «Danach sah ich vier Engel stehen an den vier Ecken der Erde, die hielten die vier Winde der Erde fest.» Das heisst: Einst war die Welt rechteckig. Und das war ganz praktisch. So passte die Weltkarte in jede Heiligen Schrift und in jede Kirche. Auch auf die Felderdecke der Zilliser Kirche: 153 Tafeln zeigen dort die Lebensgeschichten von Jesus und dem Heiligen Martin. Auf den vier Ecktafeln symbolisieren vier Engel die vier Winde, auf den Randfeldern ist das Meer dargestellt. Und dort – noch  bevor man von der Welt hinunter stürzt – wohnen die schrecklichsten Ungeheuer, die aus dem Weltmeer auftauchen.

Es grenzt schon beinahe an ein Wunder, dass das neunhundert Jahre alte Zilliser Kunstwerk noch heute besteht. Nur vier mittelalterliche Decken mit figürlichen Malereien sind in Europa erhalten geblieben: in St. Michael in Hildesheim, in der englischen Kathedrale von Peterborough und im schwedischen Södra Rada. Zillis ist das älteste Werk. Es überstand auch einen Umbau. 1509 wurde die romanische Kirche modernisiert. Der Chor erhielt gotische Formen, das Kirchenschiff blieb hingegen bestehen. Weshalb? Darüber kann spekuliert werden. Vielleicht ging nach dem Umbau des Chores das Geld aus. Oder hatten die Schamser den Wert der Bilderdecke bereits erkannt? Jedenfalls blieb im Kirchenschiff alles beim Alten und die bemalten Holztafeln kamen noch einmal davon.

Zwölf Jahrhunderte Kloster-, Bau- und Kunstgeschichte der Klosterkirche Müstair kannst du jetzt ins eigene Wohnzimmer holen. Auf der virtuellen Tour durchs UNESCO Welterbe kannst du dich auch durch Räume bewegen, die bei einem Besuch nicht zugänglich sind: die Empore und der Dachstuhl, wo Ende des 19. Jahrhunderts die karolingischen Fresken entdeckt wurden: Auf der Empore befindet sich eine monumentale Darstellung des Jüngsten Gerichts und auf dem Dachraum wurden im Jahr 1894 die karolingischen Fresken von Josef Zemp und Robert Durrer im Schein einer Laternenlampe entdeckt.

Per Mausklick erhältst du viele Hintergrundinformationen zu den Fresken und dank der virtuellen Tour kannst du gleichsam durch das Heiliggeistloch hinauffliegen. Die 1200-jährige Geschichte der Klosterkirche mit dem weltweit grössten und besterhaltenen Freskenzyklus des Frühmittelalters wird so durch einfaches Klicken virtuell erlebbar.

Zur Zeit ist die Tour in deutscher Sprache aufgeschaltet, die Übersetzungen ins Italienische und Englische sind in Arbeit.

Bereits vor 60'000 Jahren wurden Eierschalen dekoriert, wie Funde von Strausseneiern aus dem südlichen Afrika beweisen. In Mesopotamien wurden im Frühchristentum Eier rot bemalten. Die Farbe erinnerte an das Blut Christi, das er bei der Kreuzigung vergossen hatte.

Aber weshalb wurden dann die Eier unterschiedlich eingefärbt? Dies hatte einen praktischen Grund: In der Fastenzeit durften ab Aschermittwoch bis Ostern kein Fleisch und auch keine Eier gegessen werden. Um die Eier haltbar zu machen, wurden sie hart gekocht. Und um die älteren Eier von den jüngeren zu unterscheiden, färbte man sie unterschiedlich. Am Ostersonntag wurden dann die bunt gefärbten Eier aufgetischt.

Diese Ostereier werden im Safier Heimatmuseum ausgestellt. Die Eier wurden gefärbt und nachher geritzt, so dass die weisse Färbung der Eierschalen wieder zum Vorschein kam.

Bist du auch schon am Eier einfärben? Mit welcher Technik malst du deine Ostereier an? Zeig uns deine kleinen Kunstwerke. Mail an MGR.

Das Rätische Museum in Chur zeigt das Objekt des Monats April. Es sind Giessformen für Schokoladeneier. Die Formen stammen aus der ehemaligen Bäckerei im Haus zur Brotlaube in Chur. Zur Osterzeit wurden dort Schokoladeneier in allen Grössen verkauft, gefüllt mit Süssigkeiten, als Geschenk des Osterhasen.

Früher erzählte man den Kindern mancherorts auch, der Kuckuck, der Hahn, der Fuchs oder der Storch bringe die Ostereier. Der Volksglaube sagt, dass am Karfreitag gelegte Eier Segen für Mensch und Haus bringen, vor Gefahren, Krankheiten und Seuchen schützen und nicht faulen.

Ganze 234 Mal bestieg Martin Schocher (1850–1916) den Piz Bernina. Und mit 19 Erstbesteigungen und über 1000 Hochtouren zählt er definitiv zu den Pionieren des Alpinismus. Martin Schocher war Vater von zehn Kindern. Im Jahr 1895 hat er in seiner Werkstatt diese Ski eigens für seine Kinder hergestellt.

Im Museum Alpin in Pontresina hat die Bergwelt eine facettenreiche Ausstellungsstätte gefunden: Fauna, Flora und Geologie der Bündner Berge werden hier ebenso vorgestellt wie die alpine Kultur. Die Ausstellungen über den Sommer- und Winteralpinismus bieten einen Einblick in die Pionierzeit des Bergsteigens – von der Eroberung des Bernina-Massivs bis hin zum modernen Alpinismus.

Stephan Kunz, Co-Direktor des Bündner Kunstmuseums, stellt eines der bekanntesten Bilder von Giovanni Segantini vor. Es trägt den Titel «Sul Balcone». Das Gemälde ist bekannt und steckt doch voll unergründlicher Geheimnisse. Wir wissen wohl, dass es 1892 in Savognin entstanden ist. Wir kennen auch die Dame: Es ist Baba, die während 19 Jahren die Familie Segantini unterstützte und den Maler auf seinen Wegen begleitete. Wir staunen über die besondere Komposition und die eigenwillige Perspektive. Wir sehen den dunklen Vordergrund mit Balkon und Frau unterschieden vom hell erleuchtenden Dorfkern, aus dem der Kirchturm von St. Martin in göttliche Höhen ragt.

Die Malweise des Divisionismus zeigt, wie Segantini die neuesten Errungenschaften der Malerei seiner Zeit auf das bäuerliche Motiv anwandte. Das alles ist hohe Schule. Das ist grosse Kunst.

Nun aber wollen wir wissen, was das Geheimnis dieses Bildes ausmacht! Als Betrachtende stehen wir (wie der Maler) mit Baba auf dem Balkon – ganz privat. Baba wendet sich still und in sich gekehrt einer roten Nelke zu, die sie vor sich in Händen hält. 

Von wem hat sie diese Blume erhalten? Was bedeutet sie? Die rote Nelke!? Welches Versprechen liegt in ihr? 

In diesem Bild sind wir in einer profanen Alltagswelt und zugleich im Bereich einer heiligen Konversation. Darin liegt das Geheimnis. Das ist der besondere Zauber dieses Gemäldes.
 
Seit 1905 ist das Gemälde Teil der Bündner Kunstsammlung und fasziniert immer wieder von Neuem.

Heini Hagmann aus Schiers hat bei einem Besuch im Kulturhaus Rosengarten drei Portraits entdeckt. Er schreibt dazu:

Anna Buol (~1550-1600), Elisabeth Sprecher von Bernegg (1688-1770) und Dorothea Sprecher von Bernegg (1745-1804): Drei Frauen aus fernen Zeiten schauen uns in der Ritterstube des Kulturhauses Rosengarten an. Sie waren wohlhabend, sonst gäbe es keine Ölporträts von ihnen; sie zeigen sich, von links nach rechts zunehmend, selbstbewusst. Zufall oder nicht: Sähen wir den prunkvoll weiblich gekleideten Oberkörper von Dorothea Sprecher nicht, hielten wir sie für einen sanften jungen Mann.

Wer und was die Porträtierten tatsächlich waren, ist unwichtig. Wir lassen uns ansehen, bis wir sie kennen.

Heute sind wir einem Rätsel auf der Spur: Im Festungsmuseum Sperre Trin lagert eine Kiste mit der Aufschrift «Kriegs-Reserve», darunter die Anweisung «Darf nur im Kriegsfalle angebrochen werden». Schon ist das Interesse geweckt: Was da wohl drin war? Aber diese Frage liess sich gar nicht so schnell beantworten, denn offenbar hielten sich die Soldaten an die strengen Anweisungen.

Notvorrat, technische Anweisungen und Pläne oder Munition? – Die Antwort auf die Spekulationen konnte schliesslich Toni Rizzi, pensionierter Festungswächter und Material- und Archivwart im Vorstand des Festungsmuseum Crestawald geben. Darin war Reinigungsmaterial für den Küchenbetrieb in kleinen Werken wie beispielsweise Infanteriebunkern: Putzpulver – ähnlich wie VIM oder Ajax – in runden Kartonbüchsen mit Blechdeckel, Reinigungsbürsten, Putzlappen und Trockentüchlein. Die Kistchen waren mit einer Plombe gesichert und die Festungswächter kontrollierten regelmässig den Inhalt oder tauschten ihn aus, wenn z.B. wegen Feuchtigkeit in der Anlage angenommen werden musste, dass der Inhalt Schaden nahm.

Neben diesen Putzmittelkistchen war weiteres Material in den militärischen Bunkern eingelagert, das nur im Kriegsfall verwendet werden durfte: Lebensmittel, die regelmässig ausgetauscht wurden und speziell verpackt waren. Und natürlich Munition für die Waffen. Auch diese wurde periodisch kontrolliert und ausgetauscht und in den Wiederholungskursen verwendet.

Eine kleine Besonderheit hat die Fundaziun Capauliana in Chur mit dieser Skizze von Meret Oppenheim. Die Skizze zeigt das Ohr von Giacometti, welches später von der Künstlerin auch als Bronze Skulptur erschaffen worden ist. Wie die Skizze in den Besitz der Capauliana gekommen ist, lässt sich nicht nachvollziehen. Duri Capaul, der Sammlungsgründer, war allerdings viele Jahre lang Präsident des Bündner Kunstvereins. Er und seine Frau förderten Nachwuchstalente und so ist es nur naheliegend, dass er auch ganz besondere Schätze in seine Sammlung integrieren konnte.

Kennen Sie den online-Katalog der Fundaziun Capauliana?

Meret Oppenheim. Giacomettis Ohr, 1974

Vernis mou, 24,9 x 17,2 cm

Niedrig ist der Raum, und einzig ein kleines Fenster lässt Licht ins Innere dringen, das von den dunklen Wänden sofort wieder geschluckt wird. Gebückt steht die Bäuerin in der Küche. Ein offenes Feuer flackert, darüber hängt ein «Chupferchessi». Die Frau rührt mit einer Holzkelle im Topf. Eine Wolke aus Rauch und Dampf steigt auf, zieht an der Nase vorbei und wird von einer Windböe durch die Ritzen des Hauses fort getragen. Würzig schmeckt ein erster Versuch der Gerstensuppe, die über dem Feuer hängt. Für diese Woche ist nun vorgesorgt: Die Suppe wird in den nächsten Tagen immer wieder aufgewärmt – Fast-food unserer Vorfahren. Wie bescheiden die Bewohner des «alt Hus» lebten, erfahren die Gäste im Heimatmuseum Althus in Safien-Camana-Boda.

Und passend zu den kühleren Tagen hier ein Rezept für eine feine Bündner Gerstensuppe:

Bündner Gerstensuppe

1          Zwiebel

            Öl

1          Lauchstängel

100 g   Karotten

1/2       Sellerieknolle

2 Liter  Wasser

2          Bouillon-Würfel

150 g   Rollgerste

100 g   grosse weisse Bohnen

300 g  geräuchertes Schweinefleisch

1          Lorbeerblatt

Salz und Pfeffer

2 dl      Rahm

Zwiebel fein hacken. Lauch in Rädchen schneiden, Karotten und Sellerie in kleine Würfel schneiden und alles zusammen im Öl andünsten. Wasser, Bouillon-Würfel, Rollgerste und Bohnen beigeben und ca. 2 Stunden leicht kochen lassen. Fleisch in kleine Würfel schneiden und zusammen mit Lorbeerblatt beigeben. Nochmals eine halbe Stunde leicht kochen lassen. Mit Salz und Pfeffer nachwürzen. Kurz vor dem Servieren Rahm beifügen (nicht mehr kochen lassen).


Tipp:

100 g   Bünderfleisch

Bündnerfleisch kurz in der Bratpfanne anrösten und Suppe im Teller garnieren. Bun appetit!

Der Keramikteller von Peter Lötscher (1812) stellt in eindrücklicher Art dar, was damals an Kunsthandwerk in St. Antönien erarbeitet wurde. In vier Generationen wurden im kleinen Ort nicht nur Keramikteller und Schmalztöpfe angefertigt: Die Palette war breit und reicht auch über Kachelöfen und Leitungsröhren. Heute sind die Kunstwerke der Lötscherfamilie Museumsstücke, die ein wichtiges Kulturgut darstellen. Im Nationalen Keramikinventar der Schweiz Ceramica und in der Publikation von Dr. Andreas Heege​ wird dieses spannende Vermächtnis aus St. Antönien gezeigt und ausführlich beschrieben.
 

Gefährliche Krankheiten, die ausserordentliche Schutzmassnahmen verlangten, gab es im Verlauf der Geschichte immer wieder. Davos wurde international bekannt für die Heilung von Tuberkulosekranken, was wohl Viele wissen. Was dies aber im konkreten Fall für den Kurbetrieb hiess, verdeutlichen die Sanitätspolizeilichen Vorschriften vom 13. Mai 1900 und vom 15. Januar 1905, die im Medizinmuseum Davos aufbewahrt werden: «Sämtliche von Tuberkulösen bewohnte Räume, sowie die in denselben befindliche Einrichtung etc. (Möbel, Betten, Kleider, Leib- und Bettwäsche) sind jedesmal gründlich zu reinigen und zu desinfizieren, bevor sie an weitere Personen als die bisherigen Inhaber zu weiterer Nutzung überlassen werden dürfen. … Jeder Lungenkranke ist gehalten, einen Taschenspucknapf [der aufgrund seiner Farbe auch «Blauer Heinrich» genannt wurde] bei sich zu tragen.» Denn das Ausspeien war verboten – sowohl im Freien als auch «in den Häusern auf den Fußboden. … Die Nichtbeachtung der Vorschriften … betreffend Maßnahmen gegen die Tuberkulose … zieht eine Buße bis zu 50 Fr. für jeden einzelnen Fall nach sich.»

In einem Walserhaus aus dem 16. Jahrhundert befindet sich heute das Museum Nutli Hüschi, ein hübsches kleines Museum in Klosters. Vielleicht fragen Sie sich, wie das Museum zu seinem Namen kam. Das ist eigentlich ganz einfach und kein Geheimnis: Das Nutli Hüschi wurde nach seinem Erbauer Christian Nutli benannt.

Zurzeit zeigt das Museum seine Sonderausstellung «Alte Fotos neu entdecken» auf der Website www.museum-klosters.ch. Auf dem Rundgang können zum Beispiel Bilder zum Wintersport entdeckt werden.

Mirosław Bałka: NARCISSUSSUSCH (2018)

Bałka’s ortspezifische Installation für das MUZEUM SUSCH befindet sich in einem außergewöhnlichen Raum: einer natürlichen Grotte, die ursprünglich dem Kloster als Kühllager diente. In der Mitte dieser Grotte dreht sich langsam ein Zylinder, der aus mehreren polierten Edelstahlblechen besteht, die die umgebenden Felsformationen widerspiegeln. Die unaufhörliche Arbeit des inneren Mechanismus der Skulptur, der den Zylinder gegen den Uhrzeigersinn antreibt, ist eine vergebliche, eigensinnige Geste angesichts des im Stein festgehaltenen und unaufhaltsam fortschreitenden Zeitverlaufs, der die Grotte erschuf. Die Anwesenheit des Betrachters unterbricht die narzisstische Meditation der Natur von ihrer eigenen Perfektion, ersetzt sie durch ihr Bild und gibt eine neue zeitliche Perspektive vor.

Als einer der herausragenden zeitgenössischen Bildhauer Polens, dessen Werk auch Videos und Zeichnungen umfasst, setzt Bałka minimale Gesten und Mittel ein, um Werke zu schaffen, die häufig auf seinen eigenen Körper oder auf seine unmittelbare Umgebung als Referenz(grösse) Bezug nehmen und universelle Fragen der Erinnerung, des Traumas und der Geschichte untersuchen.

© Studio Stefano Graziani & Art Stations Foundation CH / Muzeum Susch

Am Tag vor dem grossen Skirennen in Davos macht sich Vitter Zogg auf den Weg. Zusammen mit dem Skifabrikanten Adolf Attenhofer geht er von Arosa nach Langwies, gemeinsam steigen die beiden zum Fondei Pass hoch und kurven auf ihren Ski nach Küblis hinunter. Dort besteigen sie die Rhätische Bahn und fahren nach Davos.

Am nächsten Morgen steht Vitter Zogg am Start, bereit für das Parsenn Derby. Er kennt die Strecke nicht, trotzdem lässt er seine Attenhofer laufen. Nach dem Rennen fährt er nach Hause, ohne sich für seine Fahrzeit zu interessieren. «Gegen die Österreicher und all die anderen Fahrer», sagte er, «stehen die Chancen auf einen Preis nicht hoch, da hat es keinen Wert zu bleiben.» Doch am Abend erhält Vitter Zogg die Nachricht, dass er das Parsenn Derby gewonnen hat. Das war 1929.

Über Filmdokumente sind Vitter Zogg und seine Geschichten in Erinnerung geblieben. Seine Ski kann man im Heimatmuseum Eggahuus in Arosa bestaunen.

Achtung Rauchalarm!

Ganz zuunterst im Schrank im Empfangsbüro des Kulturarchivs Oberengadin stand dieser ehemals in einer Samedaner Familie aufbewahrte stolze, in olivgrüner Uniform gekleidete Herr mit grosser Pfeife. Die Holzfigur, die ca. 1920 entstanden ist, fällt beim Anheben in der Mitte auseinander – dies um Räucherkegel, die säuberlich daneben aufgestellt waren, hineinzustellen und anzuzünden.

Zum Wochenende stellen wir Ihnen vielleicht das berühmteste Exponat des Segantini Museums St. Moritz vor: Das Bild mit dem Titel «Ave Maria bei der Überfahrt» aus dem Jahr 1886, Öl auf Leinwand, 121 x 92 cm

Bildthema ist das Ave Maria, das seit dem Mittelalter volkstümlichste Mariengebet und Ausdruck tiefer katholischer Gläubigkeit. Das Angelusläuten rief die Gläubigen am Morgen, Mittag und Abend zum Gebet auf. Das Läuten der Kirchenglocken am fernen Ufer fordert das Paar mit dem Kind in der Barke zum Innehalten und zum andächtigen Gebet auf. Durch das Gebet unter freiem Himmel wird die ganze Umgebung zum Andachtsraum. Die idyllische Szene, die vom leuchtenden Strahlenkranz der aufgehenden Sonne überwölbt ist, beschwört eine zutiefst friedliche Stimmung.

Depositum der Otto Fischbacher Giovanni Segantini Stiftung

Des Kaisers Geburtstag

Zurzeit empfiehlt der Bundesrat, zu Hause zu bleiben. Welch ungewohnte Situation! Doch es gab immer wieder Zeiten mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit. Dies traf auch für eine Gruppe Personen im vornehmen Hotel Viamala am Südausgang von Thusis zu.

Deutsche internierte Offiziere in der Zeit des Ersten Weltkrieges waren dort einquartiert. Bei Kontakten zur Bevölkerung lernten sie die Familie von Planta im unteren Schloss in Fürstenau kennen.

Im Archivbestand der Stiftung Johann Martin von Planta, Talmuseum Domleschg ist etwas Korrespondenz dieser Familie erhalten, darunter findet sich eine Einladung „zu Kaisers Geburtstag“, natürlich des deutschen Kaisers Wilhelm II., auf den 27. Januar 1917. Des Kaisers Geburtstag war eine willkommene Gelegenheit, ein Fest steigen zu lassen, um dem eher eintönigen Interniertenalltag zu entfliehen.

Weitere Informationen zu dieser Geschichte finden Sie unter folgendem Link des Stoffelhauses.

Informationen zum Alltag während des Ersten Weltkriegs in Chur finden Sie beim Stadtarchiv Chur.

 

Einladungsbrief mit Briefumschlag von Hauptmann Schmidt
S.H.
Herrn Gaudens von Planta
Schloss Fürstenau

Thusis, den 24. Januar 1917
Euer Hochwohlgeborenen beehre ich mich namens der Internierten zu der am 27.d.M. im Hotel Viamala 8 Uhr abends stattfindenden Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Deutschen Kaisers freundlichst einzuladen.
Hochachtungsvoll ergebenster
Hauptmann Schmidt

Weltgeschichtentag – online GiM

Spieglein, Spieglein an der Wand …
Am 20. März ist Weltgeschichtentag! Da das geplante Programm dieses Jahr nicht in den Museen durchgeführt werden kann, laden wir euch ein, am Weltgeschichtentag ONLINE mitzumachen!

Ob romansich, deutsch, italienisch, französisch … Geschichten zu einem Objekt erfinden und auf www.mi-s.ch posten. Lass deiner Fantasie freien Lauf und teile deine Geschichten mit uns!

Es ist ganz einfach:
- zu zweit (oder alleine) ein Objekt aussuchen, zum Beispiel aus dem Klostermuseum Müstair: https://www.picdrop.com/gimkuverum/b3HwfyQdfv
- ein Selfie machen
- eine Geschichte zum Objekt erfinden
- online teilen: www.mi-s.ch

Ein Verkaufsschlager war die Brille (Zwicker) im Holzetui aus dem Jahr 1794 bis ins 19. Jahrhundert hinein. Dieses Modell ist eine sogenannte «Nürnberger Drahtbrille». Es war die erste massengefertigte Brille.

Frühe Versuche, mittels einfacher Gläser die Optik zu verändern, sind bereits aus der Antike überliefert. Es waren aber wohl Mönche in mittelalterlichen Klöstern, die erstmals zur gezielten Verbesserung der Sehfähigkeit Bergkristalle zu sogenannten «Lesesteinen» schliffen; der Erhalt der Lesefähigkeit war für sie besonders zentral. Ab dem 14. Jahrhundert erwähnen italienische Quellen die eigentliche, auf der Nase getragene Brille zum ersten Mal. Der Erfinder ist jedoch unbekannt.

Die frühen Brillen besassen noch keine Bügel und sie hatten lediglich konvex geschliffene Gläser. Damit korrigierten sie (Alters-)Weitsichtigkeit. Kurzsichtigkeit konnte erst ab dem 16. Jahrhundert mit Brillengläsern ausgeglichen werden.

Die Brille ist heute im Besitz des Rätischen Museums.

Wer kennt ihn heute nicht, den Tourismusort Davos mit seinen Skipisten, dem See und den Wanderwegen. Aber auch Kliniken und Flachdach-Architektur verbindet man mit dem Namen, das World Economic Forum, Thomas Manns Zauberberg oder den Spengler Cup, der von Carl Spengler (1860–1937) gestiftet wurde. Carl Spengler war der Sohn von Alexander Spengler, der 1849 als Flüchtling in die Schweiz gekommen war, in Davos als Arzt praktizierte und Begründer der Höhenkur war.

Carl Spengler leitete das Sanatorium Alexanderhaus und forschte an der Tuberkulose und an Krebskrankheiten. Aber er war auch begeisterter Sportler. Das Wintersportmuseum in Davos beherbergt seine Ski. Die Lappländischen Jagdski sind aus Föhrenholz. Sie waren die ersten Ski in Davos. Auffallend ist, dass sie nicht gleich lang sind: Der eine Ski ist 285 cm lang, der andere 258 cm. Dennoch sind beide Ski gleich schwer, da der kürzere Ski mit einem Kupferblech beschlagen ist. Diese Spitze diente zum Schutz vor wilden Tieren.

Der virtuelle Museumsbesuch führt uns heute nach Vals:

Einst hatten die Valser in Camp eine Kapelle errichtet. Das ärgerte den Teufel sehr. Er schleppte einen Stein heran, «hööi as wia en Chillaturra», um ihn auf die Kapelle zu schleudern. Unterwegs traf er ein altes Mütterlein, das ihn in einen Schwatz verwickelte. Heimlich machte die alte Frau während des Gesprächs ein Kreuz auf den grossen Stein, der nun plötzlich so schwer wurde, dass der Teufel ihn nicht mehr anheben konnte. Zornig zog er sich in die Hölle zurück und die Kapelle steht noch heute dort.

Den Teufel oder den Stein finden Sie nicht im Museum Gandahus in Vals. Aber sobald das Museum seine Türen wieder öffnet, erfahren Sie während einer Führung ganz viele Geschichten zum Haus, zum Tal und zu den früheren Bewohnern.

© Bild: Ennio, 7

Unsere Reise ins virtuelle Museum startet oberhalb von Thusis, nahe der Geschäftsstelle von MGR:

Der letzte Burgherr von Hoch Rialt oder Hohen Rätien auf dem Felsplateau oberhalb von Thusis war nach einer Legende Ritter Cuno. Im Tal wurde er als schrecklicher Tyrann gefürchtet. Als er eines Tages eine hübsche Jungfrau raubte und sie nach Hohen Rätien verschleppte, kochte der Volkszorn über. Die Bauern griffen zu Sensen und Heugabeln und stürmten die Burg, um die Geraubte zu befreien. Ritter Cuno erwartete die erzürnten Bauern hoch zu Pferd, das verängstigte Mädchen vor sich im Sattel haltend. Im Handgemenge gelang es den Bauern, die Entführte zu befreien, doch bevor sie den Ritter überwältigen konnten, gab dieser seinem Pferd die Sporen und setzt mit einem gewaltigen Sprung über die Felsplatte hinaus, wo Ross und Reiter im Abgrund verschwanden.

Das Gemälde von Ernst Stückelberg entstand 1883 im Auftrag von Peter C. von Planta von Fürstenau. Seine Söhne schenkten es nach dem Tode des Vaters 1910 dem Bündner Kunstverein. Lange Zeit war es im Bündner Kunstmuseum (Villa Planta) zu sehen, jetzt lagert es im Depot.
 

Secondo la leggenda, l’ultimo cavaliere di Hohen Rätien si chiamava Cuno ed era un tiranno spietato. Ma quando osò rapire una giovane fanciulla, la popolazione insorse: con falci e forche i contadini salirono alla fortezza per liberare la prigioniera. Cuno li aspettava armato di tutto punto e – legata davanti a lui sul destriero – teneva in ostaggio la fanciulla impaurita. I paesani riuscirono a strappare la ragazza dalla sella, ma non riuscirono a fermare il despota. Il suo cavallo imbizzarrito si mise a galoppare lanciandosi da uno sperone di roccia. Di loro non si trovò più traccia.

Opera di Ernst Stückelberg, 1883